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Äthiopien - Teil 2: 19.04.2008 – 04.05.2008
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Der Weg nach Addis Abeba führt über recht gute Teerstraße durch zahlreiche kleine Orte und Dörfer, in denen wir erneut das typische Landleben Äthiopiens beobachten können. Am Straßenrand wird uns
häufig gewunken, aber oft wird auch fordernd die Hand aufgehalten, manchmal begleitet von vorwurfsvollen Gesichtern. Entlang der Strecke werden den vorbeifahrenden Autos verschiedenste Waren feilgeboten. Das Angebot reicht von
Zwiebeln über Brennholz, Hühner (lebend), Schafen (ebenfalls lebend), Kohle, Körbe, Bastmatten, Zuckerrohr, Schnaps und
Limonen bis hin zu Fliegenwedeln aus Pferdeschweif. Dabei wechselt das Angebot nicht ständig, sondern eher Dorfweise. So scheint beispielsweise ein ganzes Dorf ausschließlich von Zwiebeln zu leben. Da
die 560 km bis Addis an einem Tag nicht zu schaffen sind, stoppen wir gegen 16.30 Uhr in Dejen, einem etwas größeren Ort, bei dessen Einfahrt wir ein Hotel mit verhältnismäßig großem Innenhof entdecken.
Für umgerechnet 2 € können wir dort übernachten und freuen uns, rechtzeitig einen Stopp eingelegt zu haben. Wir gehen durch den Ort und erleben das Gefühl, all die
Kühe, Esel und Ziegen nicht aus der Fahrerposition zu sehen, sondern auf Augenhöhe mit ihnen zu sein. Sie gehören hier einfach mit zum Dorfbild und -leben.
Am nächsten Morgen geht es früh weiter, denn uns erwartet noch ein gutes Stück schlechter Piste mit großen Höhenunterschieden. Nach einigen Metern stoppen wir, da Hansis Federn so sehr quietschen,
dass Uwe sie schnell etwas fetten will. Daß die Zuschauer nicht lange auf sich warten lassen, brauchen wir wohl nicht mehr zu erwähnen. Die holperige Piste wird zur Zeit mit japanischer
Unterstützung ausgebaut und geteert, ein großes Brückenprojekt inklusive. Man mag meinen, dass Geld in Äthiopien eine bessere Anlage finden würde, doch müssen auf den vorhandenen Straßen nicht
nur zahlreiche Güter transportiert werden, auch die Staubwolken, die jedes vorbeifahrende Auto aufwirbelt, sind für die anwohnenden Menschen unzumutbar. Wenn wir wissen, dass uns solche Pisten
erwarteten präparieren wir unseren Hansi dahingehend, dass wir ein Laken in die Kabinentür einklemmen und die Türfuge zusätzlich mit Kreppband abkleben. So hält sich der Staub im Auto
einigermaßen in Grenzen und der Tisch ist nach zweimaligem Abwischen bereits wieder benutzbar. |
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Gegen frühen Nachmittag erreichen wir Addis Abeba und erleben eine eher ruhige Stadt mit ebenso ruhigem Verkehr. Nach den ägyptischen Städten (und damit meinen wir nicht nur Kairo) ist alles andere eher entspannend. Zudem gibt es in
Addis auch nur Autos auf den Straßen und keine Kühe, Esel, Ziegen... Wir richten uns am Itnen Tatui Hotel ein, auf dessen Parkplatz zu unserer Freude bereits zwei holländische Trucks stehen. Ein Steier mit dem
Pieter und seine Tochter Tessa unterwegs sind (www.beenafonafrica.nl)
und eine Feuerwehr, die Jacobine und Kees mit ihren drei Kindern Platz bietet (www.afri-kasa-fari.nl). Sie sind von Holland an der Westküste
Afrikas entlang gereist und kommen nun von Südafrika. So erhalten wir viele wertvolle Informationen – vielen Dank noch einmal! Abends gesellen sich dann noch Jen und
James hinzu, zwei in England lebende Südafrikaner, die eigentlich von England aus wieder in ihre Heimat zurücksiedeln wollten, nun aber doch wieder auf dem Rückweg nach England sind. Es ist
immer wieder spannend – so viele verschiedene Lebenspläne!
Uwe repariert mit Pieters Unterstützung zwei Öl leckende Stellen im Motorraum und wir erfahren, dass
nicht nur unser Hansi in letzter Zeit eine schwarze Wolke aus seinem Auspuff schickt. Auch beim Steier und der Feuerwehr ist es so, was auf die schlechte Qualität des Diesels als auch auf die
Höhenlagen zurückzuführen ist. Sehr beruhigend. Am nächsten Morgen machen wir uns auf dem Weg zum Geldautomaten. Davon gibt es nach unserem Kenntnisstand in ganz Äthiopien lediglich zwei
Stück: einen im Sheraton, einen im Hilton. Und so werfen wir uns etwas in Schale. Nach nun fast vier Monaten im Hansi ist das betreten dieses edlen Ambientes (wir entscheiden uns für das Sheraton) ein
besonderer Augenblick, der mit einem leckeren Cappuccino und einem echten Latte Macchiato – serviert mit Plätzchen! – gefeiert wird. Wir sitzen im Foyer und genießen die Atmosphäre. Und trinken
noch einen weiteren Cappuccino. Nachdem Uwe den hoteleigenen Zeitungsshop um vier deutschsprachige „Spiegel“ erleichtert hat machen wir uns auf den Weg, ein internationales Telefon
ausfindig zu machen. Kein leichtes Unterfangen, da diese Gespräche offiziell vermittelt werden müssen, was zumeist nur in den Hotels gegen horrende Gebühren möglich ist. Aber an einigen Ecken
finden sich nach einigem Fragen Internetlädchen, die telefonieren via Internet – inoffiziell – anbieten. Und so können wir ein paar Geburtstaganrufe tätigen. Wir streifen noch etwas durch die Stadt, die
einen alten sozialistischen Flair verströmt: große Siegesdenkmäler, Paradeplätze und altehrwürdige Gebäude – nicht so unser Fall. Spannend ist aber der Besuch einer Art Expo, auf der allerlei Dinge
wie Haushaltswaren, Schuhe, Textilien, Instantprodukte (das meiste made in China) angeboten werden. Es herrscht ein buntes Treiben begleitet von lauter Musik – Uwe meint: eigentlich genau so wie auf der Wächtersbacher Messe. |
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Heute begeben wir uns auf den Mercato, den angeblich größten Markt Afrikas. Wir wollen ein Autoradio mit CD sowie ein Stativ für den Fotoapparat ausfindig machen. So lassen wir uns die Elektronikmeile zeigen und verschaffen uns einen
Überblick über Modelle und Preise. Sehr zeitaufwendig und ermüdend. Letztendlich erstehen wir beides zu einem wie wir meinen annehmbaren Preis und erholen uns von den drei Stunden Suchen und Verhandeln.
Das weitere Schlendern über den Markt zeigt: hier gibt es wirklich alles, vorausgesetzt man weiß, wo man Suchen muss. Nur neue Tewas für Uwe finden wir leider nicht (die alten sind seit einiger Zeit spurlos verschwunden). |
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Am nächsten Tag füllen wir unsere Vorratskisten und versuchen in den auch hier sehr sehr langsamen Internetcafes unseren Reisebericht Äthiopien 1 sowie ein paar e-mails auf den Weg zu schicken.
Und so vergeht ein weiterer Tag wie im Fluge. Die Abende in Addis verbringen wir mit vielen netten Gesprächen in gemütlicher Runde und so fällt es mal wieder etwas schwer, als sich am kommenden Morgen alle in unterschiedlicher
Richtung und Geschwindigkeit auf den Weg machen. Wir verbringen noch zwei Stunden mit der letztendlich erfolgreichen Suche nach passenden Öl- und Benzinfiltern bevor wir die 227 km zum Lake Langano in Angriff nehmen. Die
Strecke ist gut und so erreichen wir gegen Nachmittag unser Zwischenziel. Auf dem Weg von der Hauptstraße zum Bekele Mola Hotel stoppen wir, um eines der angebotenen Feuerholzbündel zu erstehen. Wir erreichen schließlich die sehr schön gelegene Hotelanlage und freuen uns auf einen guten
Übernachtungsplatz, dessen Preis allerdings unverhältnismäßig teuer ist. Aber da schon bald die Sonne untergeht, entschließen wir uns zu bleiben und den Abend direkt am See zu genießen. Leider ist dieser Platz wohl
ein Treffpunkt der lokalen Jugend, die gegen 21.00 Uhr aufläuft und eine Vorstellung der Leistungsfähigkeit von Auto-Hifi-Anlagen bietet. Natürlich ist verständlich, dass die Jungs Ihre Anlage auf nettes Anfragen hin nicht
leiser stellen können und auch der Hotelmanager kann logischerweise nichts ausrichten. So suchen wir uns ein leiseres Plätzchen und haben
schlussendlich doch noch einen erholsamen Schlaf. Am nächsten Morgen genießen wir das erste Schwimmen unserer Reise – leider inklusive Sonnenbrand – bevor wir unseren Weg fortsetzen. Info
für andere Selbstfahrer: Diesen Platz würden wir nicht mehr ansteuern.
Nächster Stopp ist Awassa, wo es einen Campsite gibt, den eine deutsche Frau zusammen mit ihrem
äthiopischen Mann betreibt. Dort wollen wir ein oder zwei Tage verbringen. Die knapp 70 km sind ein Klacks, da Hansi auf der guten Teerstraße kaum zu bremsen ist. Abgesehen von den üblichen
Fußgängern und Tieren ist die Strecke einfach zu fahren. Auf dem Campsite begrüßt uns das sympathische Paar, Jana und ihr Mann Kuratu. Ein schönes Plätzchen, um nicht zu sagen, eine Oase.
Wir genießen die einladende Terrasse und fühlen uns wie zu Hause. Nur der Gang zum See ist wenig schön. Wie üblich wird jeder unserer Schritte genau beobachtet, diesmal von einer kichernden Mädchengruppe, die ein Stück hinter uns geht und uns mit ihrem stetigen
„you, you“ begleitet. Und dann streift uns von hinten ein Stein. Natürlich hat keine von ihnen geworfen – der Stein ist also wohl vom Himmel gefallen. Wir verbringen noch eine Nacht bei Jana und setzen unsere
Route Richtung Süden fort. Die Gegend wird zunehmend trockener und der Straßenrand ist gesäumt von großen Viehherden, die kilometerweit zur nächsten Wasserstelle getrieben werden. Eine sehr ärmliche
Gegend. Die Straßen werden wieder schlechter. |
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Kurz vor Sodo startet ein Motorrad, das schon seit einiger Zeit an unserer Stoßstange klebt zu einem gewagten Überholmanöver und zwar kurz vor einer unübersichtlichen Linkskurve. Der Fahrer
schert direkt vor uns ein, verliert die Kontrolle über das Motorrad und prallt gegen einen aufgeschütteten Steinhaufen am Straßenrand. Fahrer und Beifahrer überschlagen sich und landen direkt vor uns auf der Straße. Wir halten
sofort und Uwe kümmert sich inmitten einer schnell anwachsenden Menschentraube um die Verletzten. Während der Beifahrer benommen und verletzt am Straßenrand sitzt, liegt der Fahrer einen Moment lang bewusstlos auf der Straße.
Nachdem er wieder zu sich kommt, bringen wir die Beiden in das nahe gelegene Krankenhaus und sind heil froh, dass sich die Verletzungen als nicht lebensbedrohlich erweisen und die Zwei offensichtlich mehr als einen Schutzengel
gehabt haben. Nach dem Krankenhaus sprechen wir bei der Traffic Police vor, wo Uwe die Geschehnisse schildert. Wir dürfen fahren. Da wir im Krankenhaus versprochen hatten die Aufnahmegebühr für die zwei Jungs zu übernehmen,
fahren wir dorthin zurück. Als alles geklärt ist und wir unsere Fahrt fortsetzten wollen, werden wir jedoch von einem Polizisten daran gehindert. Er habe soeben mit den Motorradfahrern gesprochen und die hätten ausgesagt, dass
wir sie mit dem Auto gestreift hätten und damit sei die Schuldfrage ungeklärt. Er kassiert Uwes Führerschein und so geht es zurück zur Polizei. Kebete, ein Schüler der sich mit Hilfsarbeiten im Krankenhaus etwas dazu verdient
und sehr gut Englisch spricht, begleitet uns und steht uns als Dolmetscher zur Seite um uns das Amharische ins Englische zu übersetzen. Es wird lange diskutiert. Dann fährt ein Polizist zur Unfallstelle, um die Leute dort zu
befragen. Wir warten an einem Hotel. Gegen Abend werden wir wieder zur Polizeistation zitiert, wo noch einmal die beiden Motorradfahrer befragt werden. Wir warten und warten. Kebete steht uns hilfreich zur Seite und informiert
uns über den Gang der Dinge. Letztendlich sitzen wir zusammen mit den beiden Verletzten und ihren Brüder im Office des Chief-Inspektors und dieser redet und redet und wir verstehen gar nichts. Der Mimik und Gestik ist zu
entnehmen, dass er den beiden, die nicht einmal einen Führerschein haben, ins Gewissen redet. Nach etwa einer Stunde werden wir darüber informiert, dass wir sozusagen frei sind und gehen könnten. Der Chief-Inspektor fragt
uns, ob wir uns vorstellen könnten, uns an den Krankenhauskosten zu beteiligen, da die beiden mittellose Schüler seien. Wir bitten zunächst um unseren Führerschein, um für uns das Gefühl zu haben, dass das Geld, was wir gerne
geben, auch wirklich als freiwillige Zahlung und nicht als Schuldeingeständnis zu verstehen ist. Und so verlassen wir nach einem anstrengenden Tag die Polizeistation. Angemerkt sei noch, dass sowohl andere Reisende als auch der
Reiseführer davor warnen, in einer Unfallsituation anzuhalten. Die Menschen würden einem sofort die Schuld an dem Unfall geben und man komme aus der Situation nur schwer wieder heraus. Aus unserer Sicht können wir nur sagen,
dass die Polizei den ganzen Tag sehr gewissenhaft gearbeitet hat. Niemand hat uns ernsthaft beschuldigt und das Bestreben der Polizei hatte unserem Anschein nach nur das eine Ziel, die medizinische Versorgung der beiden
Verletzten abzusichern, wofür wir ohnehin gesorgt hätten. Daneben haben wir mit Kebete einen wunderbaren jungen Menschen kennen gelernt, der uns den ganzen Tag völlig uneigennützig zur Seite stand, ohne dafür eine Gegenleistung
zu erwarten.
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Seit einiger Zeit spüren wir beide, dass wir nicht mehr sehr lange in Äthiopien verweilen wollen, nicht zuletzt kommt das Gefühl daher, dass wir uns seit einiger Zeit auf Kenia vorbereiten und es
an der Zeit ist, weiter zu ziehen. Wir setzen unsere Fahrt nach Arba Minch fort, wo Uwe sich zunächst um die normalen Wartungsarbeiten am Hansi kümmert. Zusammen mit einem netten Mechaniker und einem Übersetzer verbringt er
einen kompletten Tag in einer lokalen Autowerkstatt, wo für umgerechnet 18 € das Öl gewechselt, der Öl- und Dieselfilter ausgetauscht, der Luftfilter gereinigt, das ganze Auto abgeschmiert sowie alle Differential- und
Getriebeöle kontrolliert werden. Daneben genießen wir aber auch den herrlichen Ausblick von der Hotelterrasse auf die beiden Seen des Rift Valley. Der National Park ist leider wegen einigen seit zwei Jahren eingestürzten
Straßen nicht oder nur kaum zu befahren. So entschließen wir uns für einen Bootstrip, bei dem wir riesige Krokodile, ein paar Hippos und Pelikane sichten. Der vorherige Besuch der angepriesenen Krokodilfarm war ein ziemlicher
Flop: Ein verhältnismäßig hoher Eintrittspreis steht in keiner Relation zu den kleinen Krokodilen, die in wenigen, eher heruntergekommenen Becken ihr Leben bis zur Schlachtung fristen. Das Boot teilen wir überraschender Weise
mit einem deutschen Entwicklungshelfer namens Jürgen, sowie einem weiteren deutschen Entwicklungshelfer mit Familie: Jürgen, Astrid und Laura. So erfahren wir ein wenig über die nicht immer einfache Umsetzung der Projekte.
Beide sind wenig zufrieden mit dem Gang der Dinge. Der Weg vom Bootsanleger zur Teerstraße ist eine einzige Schlammschlacht. Gelinde ausgedrückt: Offroad pur! Nachdem wir auf der Teerstraße vergeblich auf Jürgen und seinen
Nissan-Jeep warten, kehren wir um und ziehen ihn aus dem Schlamassel. Das dafür versprochene Bier genießen wir am Abend bei interessanten Gesprächen gemeinsam auf der Hotelterrasse.
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Unser weiterer Weg in Richtung Grenze führt uns tags darauf nach Yabello, wo wir uns abends wieder mit Jürgen, Astrid und Laura treffen wollen. Auf halber Strecke liegt der Ort Konso, in dem wir
zufällig auf Dinote vom Tourist Office treffen. Seine Neuigkeiten sind wenig erbaulich. Seit etwa zwei Monaten bekämpfen sich rivalisierende Stämme zwischen Konso und Yabello und die Piste ist für Einheimische nicht befahrbar. Für Touristen sei es allerdings kein
Problem. Wir sitzen eine Weile mit dem sehr sympathischen Dinote zusammen und beratschlagen was wir tun sollen. Die Strecke zu meiden, würde einen Umweg von 600 km bedeuten, mehrere Tagestouren also.
Uns wird immer wieder beteuert, dass Touristen unbedenklich passieren können, erst gestern sei ein Paar die Strecke gefahren. Ob Astrid und Jürgen schon durch sind, wissen wir nicht, vermuten es aber. Schließlich
entschließen wir uns für die Strecke. Uns ist ein wenig mulmig, der einsetzende Regen passt zu unserer Stimmung. Tatsächlich sehen wir mehrmals einige der bewaffneten Kämpfer am Wegesrand. Wir winken freundlich und sind sehr
erleichtert, dass niemand versucht uns anzuhalten. Dennoch ist das Gefühl bedrückend und wir sind froh, Yabello unbehelligt zu erreichen. Am Motel treffen wir später Astrid und Jürgen. Sie waren doch
noch hinter uns, sind aber auch unbeschadet durchgekommen. In der Nacht hören wir immer wieder entfernte Schüsse. Es macht uns traurig zu wissen, dass sich ganz in der Nähe Menschen wegen
etwas Land und Wasser gegenseitig umbringen. Für die Einheimischen scheint es hingegen zum Leben zu gehören, die Kämpfe werden als traditionell bezeichnet.
Am Morgen tanken wir noch einmal auf, in Kenia wird der Diesel deutlich teuerer sein. Die letzten 213 km geht es auf guter Teerstraße Kenia entgegen. Die Landschaft als auch die Behausung und
Kleidung der Menschen ändert sich langsam, die traditionellen weißen Tücher werden bunter und afrikanischer. Immer wieder treffen wir zu unserer Überraschung auf Kamelherden, die wir hier nicht
mehr vermutet hätten. Und jede Menge Termitenhügel. Gegen Mittag erreichen wir Moyale, die Grenzstadt. Der Ort ist größer als erwartet. Wir orientieren uns und sogleich eilen mal wieder jede
Menge eifrige Helfer herbei, die uns mit Informationen versorgen und natürlich Geld wechseln wollen. Die Strecke in Nordkenia soll in Ordnung sein. Die Straße zwar schlecht, aber befahrbar und sicher.
Da an der Grenze Mittagspause ist und die Büros erst um 15 Uhr wieder öffnen, beschließen auch wir, etwas Nahrung zu uns zu nehmen. Da erblicken wir den roten Rotel-Bus mit deutschem Kennzeichen
und machen uns mit Helmut dem Fahrer und seinem äthiopischen Begleiter Messfin bekannt. Er will eine weiter östlich gelegene Route austesten, da er die übliche Strecke kennt und von der Qualität der
Straße wenig begeistert ist. Wir überlegen, uns ihm anzuschließen. Als wir uns um 15 Uhr zur Erledigung der Formalitäten wieder treffen erklärt er, doch die Piste über Marsabit zu nehmen, da es
auf der anderen Strecke Auseinandersetzungen mit Somalia geben soll. So überqueren wir nach schneller Abwicklung gemeinsam die Grenze und verabreden uns für den kommenden Morgen um 7
Uhr um die schlechteste Piste unserer gesamten Tour in Angriff zu nehmen. Wir sind gespannt, was wir in Kenia erleben werden... |
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Unsere Eindrücke zu Äthiopien:
Was fällt uns spontan ein: -Injerra, das typisch äthiopische Gericht aus Sauerteig, belegt mit verschieden Dips – schmeckt sehr gut
-viele viele Tiere, vorzugsweise auf der Straße -Julianischer Kalender (Jahrtausendwechsel war am 11.September 2007) -das orthodoxe Christentum wird streng gelebt
-in jedem Dorf stehen Tischkicker die zu jeder Tageszeit dicht belagert sind -you you! give me! -sehr schöne Landschaften, Gebirge, Seen, Wüste -die Frauen und Bauern arbeiten schwer, Männer?
-schwere Feldarbeit mit Ochsengespannen
Als Reisender in Äthiopien ist man nie alleine, so lasen wir es in unseren Vorbereitungen, und es ist in der Tat so. Die Menschen scheinen sich für Alles und Jeden zu
interessieren. Das Land ist arm, daran gibt es keinen Zweifel. Viele Menschen leben in einer Form, wie wir es uns als Westeuropäer nicht vorstellen können. Wege aus der Armut werden gesucht, zum Teil auch erfolgreich
beschritten. Es ist aber sicher ein weiter Weg und die Arbeit der sehr verbreiteten Entwicklungsorganisationen kann man aus verschiedenen Blickwinkel sehen. Unumstritten ist jedoch, dass es wichtig ist, Lösungen für dieses Land
zu suchen und zu finden. Wir haben einige Menschen getroffen, die bereit sind Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen, so beispielsweise unser Guide Israel in den Simien Mountains oder ein Junge, der zwei Fahrstunden
entfernt von seiner Mutter bei Verwandten lebt, um zur Schule gehen zu können. Er erklärte uns, er könne für sich selbst sorgen und verdiene sich in seiner schulfreien Zeit etwas Geld als Kellner. Solche Beispiele geben
Hoffnung, dass sich auch in Richtung Eigenverantwortung etwas ändert.
Dennoch ist es sehr schwer, einen umfassenden Eindruck zu gewinnen. So sahen wir durchaus fruchtbare Gegenden, von Jana erfuhren wir jedoch, dass
bereits einige Kilometer abseits der Straße zur Zeit Menschen verhungern, da der Regen ausblieb und die Saat nicht auf ging. Zudem ist es so, dass in Äthiopien 50 % der Bevölkerung einen Tagesmarsch oder weiter von der nächsten
Strasse entfernt leben. So ist der Eindruck den wir gewonnen haben sicherlich sehr begrenzt. Wir waren gerne in diesem Land unterwegs und haben Schönes und weniger Schönes erlebt. In Erinnerung werden uns die vielen netten
Menschen bleiben, die wir kennen gelernt haben und mit denen wir schöne Gespräche geführt haben.
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