Ägypten - Teil 2: 24.02.008 – 10.03.2008

Wir verlassen schon kurz nach dem Frühstück die Oase Kharga, denn heute liegen die letzten 326 km Wüstenetappe bis zum Nil vor uns. Bereits nach den ersten paar Metern werden wir mit den üblichen Fragen konfrontiert: Woher? Wohin? Wieviele Personen? Nationalität? Nahmen wir das bisher gelassen hin, so nervt uns die immer gleiche Prozedur zunehmend. Uwe beugt bei allen folgenden Stopps den Fragen vor, indem er gleich beim Anhalten auflistet, wonach gefragt werden würde. So geht’s etwas schneller. Die Landschaft wird außerhalb der Oasen wieder monotoner, jegliches Grün verschwindet und die Umgebung erinnert uns eher an eine überdimensionierte Kiesgrube. Die einzige Unterbrechung besteht in den zahlreichen Checkpoints, von denen wir an diesem Tag insgesamt neun passieren sollten.
Hansi schnurrt wie ein Uhrwerk über die tadellose Asphaltstrasse.

Und dann erblicken wir das Niltal, das sich wie ein grünes Band am Horizont entlang erstreckt. Wir fahren westlich des Nils ein paar Kilometer in nördlicher Richtung und erreichen schließlich über eine große Nilbrücke Luxor. Bereits bei der Überquerung des Nils sehen wir viele Kreuzfahrtschiffe und spätestens jetzt wird uns klar, dass uns nach den eher ruhigen Wüstentagen nun eine andere Umwelt erwartet. Fleißig wie Uwe ist, hatte er am Vortag schon eine Route mit verschiedenen Wegepunkten in das GPS geladen, um das Camp in Luxor gut finden zu können. Nicole navigiert in gewohnt präziser Art und so nähern wir uns laut GPS dem Camp. Dass die Strassen sich in enge Gassen verwandeln durch die wir kaum noch fahren können, macht uns nicht sonderlich stutzig. Erst als das GPS „Ziel erreicht“ signalisiert während wir uns mitten auf einem Sammeltaxi- Platz befinden, auf dem wir weder vorwärts noch rückwärts einen Ausweg sehen, kommt die Erleuchtung: Falscher Wegepunkt! Nach einigem Suchen finden wir schließlich das Rezeiky-Camp und werden sogleich mit einem frischen Tee willkommen geheißen. Erst mal ankommen. Nach einer Ruhepause gehen wir schließlich noch an den Nil. Das Camp liegt sehr zentral und so sind wir in fünf Minuten an der Corniche – und: Schock! So viele Kreuzfahrtschiffe hatten wir nicht erwartet! In Reihen von bis zu neun Schiffen nebeneinander ankern die Riesen an der Kaimauer. Nicht auszumalen, wie viele Menschen mit Ihnen unterwegs sind. Die Besonderheiten des Massentourismus sollen wir in den nächsten Tagen noch erleben. Bereits bei dem kurzen Bummel über die Corniche werden uns unablässig in aufdringlichster Weise Felukenfahrten auf dem Nil, Pferdekutschen- und Taxifahrten angeboten. Für heute reicht es erst einmal und wir kehren zum Camp zurück, auf dem wir zur Abwechslung mal nicht allein sind! Wir treffen den Hotel-Bus aus Kairo wieder, sowie Rudi mit seinem rollenden Hotel (
www.hotelbus-reisen.de) , den wir bereits in Bawiti getroffen hatten. Da hatte er uns zwei echte österreichische Bier spendiert, heute überrascht er uns mit 2 Packungen Müsli. Vielen Dank noch mal, Rudi! Später trifft noch ein Holländer ein, der uns gute Tipps zur weiteren Reise gibt. Und dann lernen wir noch James und Mike aus London kennen, die in einem alten Landrover ebenfalls auf dem Weg zum Cap sind (Anmerkung für Martin: haben fleißig am Getriebe geschraubt). So verbringen wir diesen und auch die folgenden Abende in geselliger Runde.

Die nachfolgenden vier Tage verbringen wir in Luxor. Wir genießen die schönen Restaurants an der Corniche mit all ihren Leckereien (Info für Stephan und Volker: Uwe´s Jahresziel rückt in weite Ferne!) und dem wunderschönen Nilblick. Daneben haben wir ein organisatorisches Problem mit unserer Licence, das uns einige Zeit raubt. Wer sich für die ägyptische Bürokratie näher interessiert, erfährt weitere ermüdende Details hierzu im Exkurs „Licence“. Natürlich bilden wir uns auch kulturell und besichtigen den Karnak-Tempel, das Tal der Könige und den Tempel der Hatschepsut. Das kulturelle Angebot ist überwältigend, wir wählen deshalb aus der Vielzahl bewusst nur die drei Sehenswürdigkeiten aus, die uns besonders interessieren. Die Geschichte der Pharaonendynastien ist faszinierend und aufgrund Ihrer Komplexität verwirrend zugleich.

Die weitere Route führt uns nach Assuan. Für diese Strecke besteht Konvoipflicht und es stehen täglich drei Abfahrtszeiten zur Auswahl. Wir entscheiden uns für den Konvoi um 11.00 Uhr, da wir wissen, dass die großen Touristenbusse schon um 6.00 Uhr in endloser Schlange und mit Geschwindigkeiten jenseits Hansi´s Möglichkeiten die Strecke passieren. Wir verlassen das Camp frühzeitig, um noch zu tanken. Die Tankstelle ist ausverkauft, was sich im Nachhinein als Glück erweist, da wir länger als gedacht nach dem Konvoistartpunkt suchen und diesen nur mit Hilfe eines netten Ägypters in letzter Minute erreichen. In die abgesperrte Straße eingebogen fragen wir uns dann allerdings doch, ob wir den Konvoi verpasst haben, denn außer uns ist kein weiteres ziviles Fahrzeug zu entdecken. Doch wir sind noch pünktlich und kurz nachdem ein Minibus und ein Taxi erscheinen geht’s auch schon los: Ein Polizeiauto, unser Hansi, der Minibus, das Taxi und ein abschließendes Polizeiauto. Und so verlassen wir Luxor. Mit Sirene und Polizeilicht wird uns der Weg geräumt und wir brauchen nicht lang aus der Stadt heraus. Dann zieht das Tempo an und der Abstand zwischen dem Polizeiauto und uns wird immer größer. Dem Minibus sind wir wohl auch zu langsam und so überholt er. Kurz darauf überholt auch das Taxi. Aber viel mehr als 80 gibt Hansi nun mal nicht her. Da nützt es auch nichts, dass das hintere Polizeiauto an unserer Stossstange klebt und versucht uns Dampf zu machen. Vorn sehen wir, dass der Minibus zu einer auf dem Weg liegenden Tempelanlage abbiegt und auch das Taxi ist verschwunden. Wenig später überholt schließlich auch das Polizeiauto. An der nächsten Straßensperre treffen wir dann wieder auf den ersten Polizeiwagen. Die Officers machen eine Pause, denen sich auch die des anderen Autos anschließen. Da wir keine Pause wollen, können wir weiterfahren und wir freuen uns, dass wir nun unser eigenes Tempo vorlegen können. So fahren wir eine Weile dahin und wundern uns über die doch so unbedingt einzuhaltende Konvoipflicht. Ebenso wundern wir uns, als nach etwa einer halben Stunde im Rückspiegel ein Polizeiauto auftaucht. Da sind sie ja wieder! Aber sogleich sind sie auch schon wieder weg. Und dann wieder da. Es ist ein bisschen wie Katz- und Maus-Spiel. Nach vielleicht einer weiteren Stunde wird es den Beamten dann zu bunt. Sie überholen uns und geben uns deutlich zu verstehen, dass wir nicht so trödeln sollen. Und so fahren wir die restliche Strecke bis nach Assuan im Schlepptau der Polizei. Als die Nilbrücke auftaucht winken wir den Beamten freundlich und geben ihnen mit Zeichen zu verstehen, dass wir über die Brücke fahren. Sie winken zurück und setzen ihre Tour ebenfalls fort. Das war also unser Konvoi nach Assuan!

Auf der anderen Nilseite geht es dann noch etwa 2 km südlich und wir erreichen Adam´s Home, einen Campsite, von dem wir schon viel gelesen und gehört hatten. In der Vorfreude wieder auf andere Selbstfahrer zu treffen sind wir etwas enttäuscht, ein leeres Camp vorzufinden. Wir schauen uns um, erhalten von zwei nubischen Frauen einen Begrüßungsdrink und fahren zunächst noch einmal auf die andere Nilseite in die Stadt hinein, um frische Lebensmittel einzukaufen. Auch hier ist es wieder absolut touristisch und ein harter Kampf um marktgerechte Preise und so versuchen wir unser Glück in schmalen Seitengässchen. Beim Brotkauf müssen wir nicht handeln. Uwe stellt sich in der langen Schlange für Männer an – es gibt auch eine Schlange für Frauen – und erhält absolut frisch gebackenes Brot, an dem er sich die Hände verbrennt, denn im Gegensatz zu den Einheimischen hatten wir keine Tüte dabei. Wir bitten an einem benachbarten Geschäft um eine Tüte, die wir zum gleichen Preis zu dem wir gerade 10 Brote erstanden hatten auch hätten bekommen können. Eine alte Frau im Nebenhaus beobachtet die Situation, schüttelt über ihren Nachbarn den Kopf und schenkt uns netter Weise eine Tüte. Als wir „nach getaner Arbeit“ zurück zum Camp fahren, finden wir zu unserer Freude eine ganze Gruppe bunt gemischter, zumeist englischer Freistilkletterer sowie vier Italiener vor, die heute mit der Fähre aus dem Sudan gekommen sind und noch auf ihre Autos warten. So verbringen wir doch noch einen geselligen Abend in gemütlicher Runde und erhalten ein paar nützliche Infos zu Pistenverhältnissen, Campsites und einem schönen Naturschutzgebiet am Malawi See.

In den nächsten Tagen nehmen wir erneut die Sache mit unserer Licence in Angriff, die wir in Luxor leider nicht hatten regeln können. Wie bereits erwähnt: Details im Exkurs „Licence“. Nach langer Prozedur dürfen wir nun vier weitere Wochen mit unserem Hansi in Ägypten verweilen. Dann kommt aber doch alles anders. Wir fahren in die Stadt, um bei Herrn Sallah, dem Ansprechpartner für die Fährfahrt über den Nasser See in den Sudan, erste Infos über Abfahrt und Preis einzuholen. Auf dem Weg dorthin erblicken unsere hocherfreuten Augen einen roten Feuerwehr-Hansi mit Anhänger und deutschem Nummernschild. Der Fahrer hat es im Stadtverkehr schwer und so tauschen wir nur kurz unsere Namen aus und ein „vielleicht sehen wir uns später noch mal“. Später war dann schneller als gedacht, denn als wir fünf Minuten später das Office von Mr. Sallah erreichen steht davor der rote Feuerwehr-Hansi namens „Crazy Crocodile“ von Thomas. Auch er erkundigt sich nach der Überfahrt in den Sudan und so sitzen wir gemeinsam im Büro der Schifffahrtsgesellschaft. Eigentlich wollten wir ja nach unserer Anstrengung mit der Licence noch einige Tage in Ägypten verweilen, aber Mr. Sallah erklärt uns, dass wir großes Glück hätten, gemeinsam mit Thomas auf das Ponton zu gehen und so überlegen wir nicht lange und buchen für Montag die Fähre. Durch diese Konstellation erreichen wir einen guten Fährpreis für jeden. Zurück auf dem Campsite, auf dem sich auch Thomas einquartiert, treffen wir noch Nigel und Kate mit ihren zwei Söhnen aus England und erfahren, dass auch sie am Montag mit von der Partie sind. So bleiben uns noch 4 Tage in Assuan. Die verbringen wir mit diversen Aktivitäten wie Kardanwelle ausbauen, Schmiernippel einsetzen (Frank, hast Du das gelesen!!?), Kardanwelle einbauen, Trinkwassertank und -filter reinigen und auffüllen, Wäsche waschen, Reiseberichte schreiben, Internetbesuche, recherchieren und vorbereiten für den Sudan – nicht dass Ihr denkt, wir wären im URLAUB! Wir sehen uns auch noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Assuan an, wie beispielsweise den alten und neuen Staudamm des Nasser Sees. Nebenbei sei erwähnt, dass dies alles bei ca. 42 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit passiert, wir sind ziemlich gerädert. Nachts kühlt es kaum ab und tröstlich ist nur, dass dieses Wetter für diese Jahreszeit sehr untypisch ist und auch die Einheimischen schafft. Aufheiternd sind jedoch die netten Gespräche mit Thomas, in denen wir unter anderem erfahren, dass er mit seinem crazy-crocodile-Gespann auf dem Weg nach Tansania ist, um dort am Lake Malawi einen Campsite zu eröffnen (www.crazy-crocodile.com). Und dann erfahren wir, wie klein die Welt wirklich ist. Thomas entpuppt sich als derjenige Kaufinteressent aus Afrika, der, als wir unseren Hansi kaufen wollten ebenfalls an dem Auto interessiert war, und bereits einen Kaufvertrag an den damaligen Besitzer gefaxt hatte. Wir staunen nicht schlecht.

Die Tage vergehen und wir gönnen uns am letzten Abend noch ein original nubisches Dinner in Adams Home. Dann heißt es Abschied nehmen von Ägypten. Dieser gestaltet sich deutlich länger als wir dachten. Die Formalitäten am Hafen sind relativ schnell erledigt. Doch dann heißt es warten, warten und warten. Die Passagierfähre füllt sich nach und nach mit Menschen und Gütern, unser Ponton wird erst mit Einbruch der Dunkelheit beladen, während die Fähre bereits ablegebereit ist und eigentlich nur noch auf uns wartet. Aber zunächst kommen noch Waren über Waren in den Bauch des Ponton und so müssen wir die Fahrzeuge im Dunkeln verladen, was insbesondere für Thomas mit seinem Gespann eine schweißtreibende Herausforderung ist, da die Autos rückwärts eingeparkt werden müssen. Schließlich ist es geschafft, wir winken noch einmal den Autos und gehen an Bord der Fähre, auf der wir unsere unabschließbare First-Class-Kabine beziehen. Und dann wird abgelegt. Nach einem kurzen Erkundungsrundgang und einer kleinen Stärkung im Speisesaal genießen wir eine angenehme Nacht in der kühlen Kabine. Am Morgen weckt uns durch das offene Kabinenfenster ein herrlicher Sonnenaufgang und wir genießen den Vormittag auf Deck zusammen mit Thomas, Nigel und Kate. Gegen Mittag passieren wir Abu Simbel und können so noch einen Blick auf den versetzten Tempel werfen. Kurz darauf passieren wir die im See verlaufende Grenze zum Sudan, was durch einen kurzen Stopp und den Besuch eines kleinen Militärbootes deutlich wird. Bald werden wir in Wadi Halfa anlegen.

Unsere Eindrücke zu Ägypten:
Das Land hat zweifellos sehr viel zu bieten an Natur und Kultur. Dieses Land als Selbstfahrer zu bereisen war spannend, jedoch nicht alle Eindrücke bleiben uns in positiver Erinnerung. Bewegt man sich im Land abseits pauschal gebuchter Reisen, so fällt einem die übergroße Präsenz von Polizei und Militär auf. Bereits unter Nasser in den 60er Jahren aufgebaut, leistet sich dieses Land einen unglaublich großen Polizei- und Militärapparat. Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen, so ist es nicht verwunderlich, dass von Seiten der Regierung ein besonderes Augenmerk auf diesen Bereich gerichtet wird. Durch die Anschläge der fundamentalistischen Terroristen Ende der 90er und in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts ist der Sicherheitswahn verständlich. Logisch erscheint uns die Vorgehensweise jedoch nicht: Bei zeitlich festgelegten Fahrten in Konvois sind Dutzende voll besetzte Touristenbusse mit hohem Tempo auf festgelegten Routen unterwegs und wären damit für mögliche Anschläge ein wahrscheinlich leichtes Ziel. Des weiteren ist die unbeschreibliche Bürokratie sicherlich ein großer Kostenfaktor, dieses Geld könnte für die lokale Bevölkerung und Infrastruktur sinnvoller ausgegeben werden. Bemerkenswert sind eine Reihe von Bewässerungsprojekte, die Wüste in fruchtbares Land verwandeln. Dies ist ein beeindruckendes Bild, ob dies ökologisch unbedenklich ist, können wir jedoch nicht beurteilen. Die Menschen sind freundlich,  jedoch auch sehr geschäftstüchtig. Wir haben auch einige sehr herzliche Menschen kennen gelernt, in den touristisch erschlossenen Gebieten beschränken sich die Kontakte jedoch oft auf rein geschäftliche Interessen, was bei der Vielzahl an Touristen verständlich ist. So verlassen wir Ägypten mit verschiedenen Eindrücken und sind gespannt wie es weiter geht.

Exkurs „Licence“: Und dann wäre da noch die Sache mit der Licence. Dies ist ein Dokument für das Auto, welches bei der Einreise ausgestellt wird und neben dem benötigten Carnet de Passage zur Einfuhr des Fahrzeugs berechtigt. Bis zu unserem Zusammentreffen mit Warren, Sophia und dem franz. Schweizer Jean-Renaud auf dem Campsite in Kairo hatten wir uns um dieses Scheckkärtchen noch keinerlei Gedanken gemacht. Wir wussten zwar, dass wir – wollten wir länger als vier Wochen in Ägypten bleiben – unser Visa verlängern lassen müssen, aber dass natürlich auch die Licence ausläuft war uns bis dato noch nicht so klar. Der Schweizer hatte diese Prozedur soeben hinter sich gebracht und nach einer einstündigen Fahrt durch Kairo City das Custom Office in der Nähe des Flughafens gefunden und nach erneutem Check des Wohnmobils, 3,5 Stunden „Wartezeit“ und der Zahlung von ca.1500 £E eine neue Licence erhalten. Das erschien uns eine zu hohe Summe zu sein und so versuchten wir mehr Infos zu bekommen. Im Internet lasen wir, dass ein paar Reisende mit Motorrädern und kleineren Fahrzeugen gegen sehr geringe Gebühr und Wartezeit ihre Papiere verlängert bekamen. Im Reiseführer stand, dass die Verlängerung in allen größeren Städten möglich sein sollte, und wenn dieses nicht ginge, so sollte man sich einfach bescheinigen lassen, dass man es versucht habe. Da wir die Fahrerei in Kairo vermeiden wollten und uns die Summe einfach viel zu hoch erschien, beschlossen wir es anders zu versuchen. Wir hatten ja noch bis zum 3. März Zeit. So fuhren wir von Kairo durch die Oasen nach Luxor. Am nächsten Morgen sprachen wir auf dem Office der Tourist Police vor, wo uns ein Beamte unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit mitteilte, wir sollen uns keine Sorgen machen, eine abgelaufene Licence würde wirklich niemanden interessieren. Dies entsprach der Information, die wir von einem Angestellten des Campsite in Kairo erhalten hatten. Wir wollten dem aber nicht so recht Glauben schenken und fragten an höherer Stelle nach, wo man uns höflich empfing, uns kurz und prägnant mitteilte, eine Verlängerung der Licence würde sich nur in Sollum (wo wir eingereist waren) oder in Assuan machen lassen und schon standen wir bereits wieder vor der Bürotür. Von James und Mike, die wir in Luxor auf dem Campsite getroffen hatten erhielten wir eine Kopie Ihrer problemlos und günstig in Kairo erhaltenen Verlängerung. Diese bestand aus einem einfachen Formular, das mit der eigentlichen Licence mitzuführen war. Die beiden hatten von zwei Franzosen gehört, dass diese ihre Verlängerung in Luxor haben machen lassen. So waren wir wieder ein wenig ratlos. Wir fragten in einem anderen Office der Tourist Police nach, wo man uns erklärte das sei alles gar kein Problem. Wir sollten Morgen um 9.00 Uhr wieder kommen und ein Tourist Police würde uns zum Office der Traffic Police begleiten, wo unsere Licence dann refreshed würde. Gut gelaunt gehen wir zurück zum Campsite. Der nächste Morgen verläuft dann jedoch ganz anders. Wir erscheinen pünktlich, bekommen einen Platz angeboten und der Beamte beginnt zu telefonieren. Er telefoniert und telefoniert. Dann erfahren wir, dass es leider in Luxor nicht geht. Wo dann und wie viel wird es kosten wollen wir wissen. Daraufhin wird wieder telefoniert. Nebenbei übersetzen wir für ein Paar aus Leipzig, denen auf einem Nilschiff Geld gestohlen wurde ins Englische. Es wird immer noch telefoniert. So beschließen wir, zunächst unser Visa zu verlängern und anschließend wieder zur Tourist Police zurück zu kehren. Die Visaverlängerung ist gar kein Problem. Wir brauchen eine Passkopie, ein Passfoto und gegen Zahlung von zusammen 22,50 £E  (ca.2,80 €) können wir unsere Pässe nach 1,5 Stunden wieder abholen. Wenigstens etwas! Zurück bei der Tourist Police wird weiter telefoniert. Die Beamten sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit und so erfahren wir schließlich, dass eine Verlängerung der Licence nur in Port Safaga und Assuan möglich sei. Was es nun genau kostet konnten sie leider nicht erfahren, aber zumindest erhalten wir einen Namen von einem Beamten des Custom Office, der uns in Assuan weiter helfen würde. Etwas betrübt schlendern wir an der Corniche entlang und entdecken das Office der Tourist Infomation. Wir fragen auch hier noch einmal und siehe da, kein Problem: einfach am nächsten Morgen zur Traffic Police und dort würde man unsere Licence verlängern. Also: morgens um 9.00 Uhr laufen wir durch interessante Straßenzüge Luxors in Richtung Traffic Police. Nette Taxifahrer erklären uns immer wieder es sei viel zu weit zum Laufen und schließlich lassen wir uns nach harter Verhandlung für 4 £E zum Office fahren. Es wäre tatsächlich noch ein gutes Stück Weg gewesen. Aber der zunächst geforderte Fahrpreis von 40 £E wäre eindeutig ein gutes Stück zu teuer gewesen. So tasten wir uns langsam in dem Gewirr von Menschen und Schaltern vorwärts. Uwe ist optimistisch, als wir schließlich um das Gebäude herum in ein eines der Schalterbüros gebeten werden. Dort wird auf arabisch verhandelt und man führt uns wieder nach draußen zu einem höheren Beamten, der englisch spricht und uns alles erklären wird. Die Erklärung fällt dann sehr kurz aus. Das geht hier nicht, nur in Kairo. Also wieder nix. Und der Taxifahrer der auf uns warten sollte ist auch weg. Alles sehr rätselhafte Auskünfte die wir da erhalten. Wir beschließen noch 2 Tage in Luxor zu bleiben und dann in Assuan unser Glück zu versuchen. In Assuan fragen wir zunächst bei der Tourist Information, wo das Office ist, in dem wir unsere Licence verlängern können. Wir hätten großes Glück, denn zufällig steht gerade ein Officer der Traffic Police in der Tourist Information, der uns sagt, wo wir hin müssen. Also, auf geht’s! Wir finden das Office ohne Probleme und werden beim Eintritt in die Schalterhalle von dem Getümmel förmlich überrannt. Nach ein paar Minuten der Orientierung schickt uns dann ein Mann zu einem bestimmten Schalter am Ende der Raumes, doch auf dem Weg dorthin nimmt uns ein anderer Mann unsere Papiere ab und beginnt alles zu managen. Nur denkt er leider, dass wir unser Auto abmelden wollen um am nächsten Tag in den Sudan einzureisen, was wir ja aber noch nicht wollen und mangels Fähre auch noch gar nicht können.

So dauert es eine ganze Weile bis wir dem Mann, der angeblich von der Traffic Police ist, sich dann aber als Fixer entpuppt und nur 3 Wörter englich spricht, erklären können, dass wir unser Auto nicht abmelden wollen, sondern unsere Licence verlängern wollen. Das ändert aber scheinbar nichts an der Prozedur, denn – so erklärt er uns – die Licence von Sollum (wo wir eingereist sind) wäre finished und jetzt bräuchten wir eine new Licence von Assuan. Das bedeutet offensichtlich neue Nummernschilder, neues Scheckkärtchen und jede Menge Gebühren. Das wollen wir aber nicht und so halten wir uns immer wieder die Kopie von den beiden Engländern unter die Nase, in der Hoffnung, dass wir irgendwo und möglichst umgehend einen gleichen Zettel erhalten werden. Das geht aber so scheinbar nicht. Nach ein paar Formularen und Kopien, die wir selbst bezahlen müssen, setzt sich der Mann dann mit in unser Auto und dirigiert uns quer durch die Stadt. Keine Ahnung wohin. Wir stoppen nach einigen Minuten an einem unscheinbaren Office, in dem Uwe an einigen Wartenden vorbeigeschoben wird und die Papiere abgenommen bekommt. Wie haben keine Ahnung, was genau hier vor sich geht und hoffen nur, dass wir am Ende nicht mit abgemeldetem Auto dastehen. Dann geht’s wieder zurück zur Traffic Police, von einem Schalter zum andern, warten, nächster Schalter, ein paar Pfund Gebühren und dann fahren wir schließlich mit unserem Helfer zum Custom Office, wo wir hoffen, endlich an der richtigen Adresse zu sein. Aber man lässt uns nicht durch die Schranke und wir warten. 5 Minuten. Dann noch einmal 5 Minuten. Und wieder 5 Minuten. Die ägyptische Zeitrechnung schein in 5 Minuten Intervallen abzulaufen. Dann kommt plötzlich leichte Hektik auf. Der Pass muss kopiert werden und unser Helfer fragt nach 8 £E, die er als Bakschisch, das ägyptische Trinkgeld (wobei in diesem Falle wohl Schmiergeld passender wäre) an einen kleinen Beamten mit Geld gefüllter Brusttasche weiterreicht. Dann passiert wieder nichts. Wir geben unserem Fixer die Telefonnummer des Beamten, der uns in Luxor genannt wurde. Die beiden telefonieren, was aber auch nichts verändert. So warten wir weiter 5 ägyptische Minuten. Irgendwann wird Uwe unruhig und verlangt nach jemandem, der englisch spricht und uns erklärt, was hier vor sicht geht. Und siehe da, plötzlich spricht einer der Wachposten englisch und erklärt uns, wir sollen einfach warten, unsere Papiere – die wir allerdings noch in den Händen halten – würden gerade bearbeitet und dann könnten wir gehen. No Problem. Und so vergehen weitere 5 ägyptische Minuten. Wir fragen wieder nach und man sagt uns, der zuständige Beamte käme gleich und würde uns alles erklären. Nach einer Weile entsteht wieder eine leichte Unruhe bei den wachhabenden Officern und dann fährt ein voll besetzter Bus durchs Tor. Ein nach seiner Kleidung zu urteilen offenbar wichtiger Mann steigt kurz aus und erklärt uns, wir sollen morgen um 10 Uhr wieder kommen. Uwe fragt, ob es denn heute nicht mehr gehe mit der Licence -Verlängerung, was der Mann verneint. Warum nicht? Wollen wir wissen. Na, weil jetzt halt Feierabend ist. Logisch. Es ist ja auch schon 15 Uhr und der noch immer laufende Bus fährt die ganze Ladung von Angestellten offensichtlich nach Hause. Wir bringen unseren Fixer zurück zur Traffic Police und verabreden uns für den nächsten Morgen um 9 Uhr. Am Morgen fährt Uwe allein, da es reicht, wenn einer von uns den Tag mit sinnlosem Warten auf das Vergehen von zahlreichen ägyptischen 5 Minuten-Intervallen verbringt. Der Tag verläuft verhältnismäßig erfolgreich, denn als Uwe um 15 Uhr wieder am Campsite eintrifft hat er alles erledigen können, bis auf die Nummernschilder. Denn dort war nach Erledigung der anderen Formalitäten bereits geschlossen. Dennoch darf sich Uwe glücklich schätzen, denn er wurde in die Geheimnisse der ägyptischen Licence-Erteilung eingeweiht – untenstehend ein Überblick für andere Selbstfahrer. Um 7.30 Uhr geht es also erneut zur Traffic Police, um nun noch die Nummernschilder zu bekommen. Henry, der Fahrer des englischen Trucks sowie Titziano und Domiano fahren mit uns, da auch sie noch die Nummernschilder benötigen, um ihre Autos endlich und endgültig aus dem Zoll holen zu können. Es wird ein schönes Zusammensein, sowohl die Italiener als auch Henry entpuppen sich als äußerst angenehme Zeitgenossen. Da wir die Abwicklung durch den Ägypter Jessit erledigen lassen, haben wir zwischen den einzelnen Behördengängen Zeit, uns auszutauschen. Schade, dass die Italiener und auch der englische Truck schon bald fahren werden.

Nachfolgend eine Gebühreninfo für andere Selbstfahrer:
Bei Einreise an der Grenze zahlt man für
•Truck (hierunter fallen auch Wohnmobile)1022 £E
•kleinere Fahrzeuge wie Geländewagen       ca. 500 £E
Für beide Fahrzeuge erhält man daraufhin eine Licence, die jeweils nur 4 Wochen gültig ist. Es scheint auch keine Möglichkeit zu geben, diesen Zeitraum direkt bei Einreise an der Grenze zu verlängern. Möchte man sich länger in Ägypten aufhalten, so muss man die Licence verlängern lassen und zwar in Kairo am Customs Office, Nähe Flughafen. Die Verlängerung ist hier binnen einiger Stunden möglich und ist für kleinere Fahrzeuge kostenfrei, für Trucks fallen erneut die 1022 £E an.