Südafrika Teil 1: 25.09.2008 – 22.10.2008

Die Grenze ist geschafft und wir erinnern uns an den krassen Gegensatz der zwei Welten, die an der Grenze vom Sudan nach Äthiopien aufeinander prallten. So ist es hier auch. Vier Kilometer hinter der Grenze erreichen wir mit Komatipoort den ersten Ort und sind ein wenig verwirrt. Die erste Tankstelle die wir passieren gleicht einem kleinen Einkaufszentrum mit angeschlossener Fast-Food-Kette, Bankautomat – natürlich alles klimatisiert. Der Ort selbst scheint einer Art Zweiteilung zu unterliegen. Der südliche Teil bedient die schwarze Bevölkerung. Es gibt typisch afrikanische Geschäfte und einen Markt, wie wir ihn kennen. Dann überfahren wir eine unsichtbare Grenze und der Ortsteil der Weißen beginnt. Klar vermischen sich Schwarz und Weiß auch, aber irgendwie fühlt es sich für uns merkwürdig an. Uns wird klar, dass wir Schwarzafrika nun endgültig hinter uns gelassen haben und sind ein wenig traurig über diese Erkenntnis. Wir tätigen die üblichen Besorgungen die anstehen, wenn man ein neues Land erreicht und lassen uns ziemlich geschafft von dem Tag auf dem Caravanpark von Komatipoort nieder. Die Anlage ist der wohl gepflegteste Campsite, den wir seit langem gesehen haben. Swimmingpool, in den Sanitäranlagen stehen Badewannen zur Verfügung und der Garten ist liebevoll angelegt.

Am nächsten Morgen holt uns dann die Realität ein. Unsere Stühle stehen nicht mehr dort, wo sie eigentlich hin gehören. Da es in der Nacht stark geregnet hat nehmen wir an, dass der Securityguard netter Weise die Stühle ins Trockene gebracht hat. Aber Fehlanzeige. Wir sind enttäuscht. Das ist uns auf der ganzen Reise durch Ostafrika nicht passiert und die Besitzer des Campingplatzes erklären uns, das sei eben Südafrika. Schließlich stellt sich heraus, dass in den letzten Wochen schon mehrere Dinge abhanden gekommen sind und wir sind mehr enttäuscht darüber, dass uns dieses niemand vorher gesagt hat. Dann hätten wir die Stühle eben weggeräumt. Naja. Wir verbuchen den Vorfall unter Lehre für die Zukunft – zumindest was Südafrika betrifft.

Wir stocken unsere Vorräte auf und machen uns auf zum nahe gelegenen Krokodile-Gate des Kruger-Nationlparks. Wir hatten bereits von verschiedenen Seiten gehört, dass dieses Unterfangen aussichtslos sein würde, denn es ist Ferienzeit und da ist alles komplett ausgebucht. Wir wollen es dennoch versuchen. Die nicht sonderlich hilfsbereite Dame am Gate erklärt uns, das wir im Voraus hätten buchen müssen. Wir erklären, das das für uns absolut unmöglich war, da wir einen langen Weg hinter uns haben und überhaupt nicht hätten wissen können, wann wir am Park eintreffen. Nach einigem hin und her findet sich dann doch ein Platz am Eingangscamp, den sie uns anbietet. Wir wollen jedoch weiter in den Park hinein und unser Glück woanders versuchen. Diese bürokratische Hürde erleben wir nun täglich. Es heißt immer – tut uns leid, alles ausgebucht. Dann ist es immer nur eine Frage der Zeit, bis man uns eine Platz gibt. Manchmal hat schon innerhalb der nächsten Minute rein zufälliger Weise jemand abgesagt, manchmal dauert es eine Stunde. Letztendlich kommen wir aber auf jedem Camp unter, das wir anfahren. Lediglich die Prozedur ist etwas nervig. Das Gefühl der einsamen Wildnis kann sich hier natürlich nicht einstellen, einsame Stellplätze wie im Ruaha Nationalpark findet der „Normaltourist“ hier nicht. Wir nehmen uns Zeit für den Park und trotz der touristisch erschlossenen Infrastruktur können wir in den folgenden Tagen Naturerlebnisse genießen.

Ein Erlebnis der besonderen Art, auf das wir gerne verzichtet hätten, haben wir dann doch noch: Wir fahren auf einer der geteerten Strassen des Nationalparks und sehen schon von weitem einen großen Elefantenbullen, der gemächlich – die Vorzüge einer guten Straße wohl wissend genießend – in Gegenrichtung einen gemütlichen Spaziergang unternimmt. Hinter ihm hat sich schon eine beachtliche Autoschlange gebildet. Davon reichlich unbeeindruckt schreitet er voran. Dem Pkw, der in einiger Entfernung vor uns Halt gemacht hat, schenkt er keine Beachtung. Dennoch halten wir es für klüger, in großer Distanz auf der Straße zu halten, den Motor abzuschalten und so dem unternehmungslustigen Elefanten genügend Möglichkeit zu lassen, von der Straße in den Busch abzubiegen oder aber seinen Weg einfach fortzusetzen. Er scheint letzteres zu bevorzugen und schreitet reichlich desinteressiert auf seinem Wege voran. Wir freuen uns schon, das majestätische Tier dicht an uns vorbei schreitend zu beobachten zu können. Doch plötzlich findet er Gefallen an unserem Hansi. Er kommt mit kurzen energischen Schritten auf uns zu, beriecht die Motorhaube, beschnuppert die Seitenscheiben und testet dann mit einem sehr behutsamen Druck seiner Stoßzahnes gegen die Wohnkabine das Material. Da das Fenster eine andere Farbe hat, wird auch dieses mit einem zweiten sachten, aber dennoch deutlich spürbaren Rucken der Kabine auf seine Konsistenz getestet. Dann geht er weiter. Kaum zwei Schritte hinter dem Auto dreht er sich um, trompetet, setzt die Ohren in Bewegung, was eindeutig signalisiert, dass ihm unser Hansi nicht passt und macht zwei zügige Sätze von hinten auf uns zu. Uwe, der die ganze Szenerie im Rückspiegel beobachtet hat, startet sofort den Motor und gibt Gas. So kommen wir mit einem gehörigen Schrecken davon und sind froh, so umsichtig gehandelt zu haben. So bestätigt sich, dass es sich trotz der manchmal großartigen Nähe zu den Tieren doch immer noch um wilde Tiere handelt. Insbesondere beim Betrachten der all zu niedlichen Löwenbabys, von den wir auch in diesem Park einige zu sehen bekommen, vergisst man diese Tatsache gerne.

Als wir am Abend unsere e-mails checken bekommen wir einen Computer zugewiesen, bei dessen ersten Tastendruck der schwarze Monitor ein Hintergrundbild frei gibt, dass einen blauen Golf zeigt, dessen Dach von einem Elefantenrüssel eingedrückt wird. Noch einmal sind wir froh, ein so großes Gefährt gehabt zu haben und mit dem „Luft anhalten“ davon gekommen zu sein.


Die Tage im Park vergehen viel zu schnell. Wir können uns gar nicht satt sehen an der Landschaft und den immer wieder überraschenden Begegnungen mit verschiedenen Tieren. So sehen wir mehr als einmal Löwen, einige der sehr seltenen Black Rhinos (Spitzmaulnashörner), White Rhinos (Breitmaulnashörner), Zebras, Giraffen, ein Stachelschwein und natürlich die üblichen Verdächtigen. Nicole ist sehr traurig, dass wir weder einen Leoparden noch einen Cheata (Gepard) zu Gesicht bekommen. Und so liegt es Nahe, dass wir dieses nach Verlassen des Kruger Parks nachholen – und zwar im Mohololo Wildlife Center, einer Tierstation, die sich einige Kilometer außerhalb des Parks um verletzte Tiere kümmert. Wir lernen eine Menge über die faszinierenden Zusammenhänge der Natur. So ist ganz klar, dass das Füttern der durch die leckeren Grillgerüche angelockten Hyänen an den Campgrenzen fatale Folgen haben kann, die die Existenz der Geier betrifft. In freier Wildbahn sind die Hyänen für das zerknacken der Knochen erlegter Tiere zuständig. Tun sie dieses nicht mehr, da sie von leckerem Grillfleisch dick und rund gefressen sind, können die Geier keine Knochenspäne mehr ergattern, die sie zur Kalziumversorgung der Jungvögel benötigen. Stirbt auf Grund dieser Situation eine ohnehin schon bedrohte Geierart aus, die mit ihrem starken Schnabel zuständig sind für das Öffnen toter Tierkadaver, so finden auch die übrigen Geierarten zu wenig Aas, um sich zu ernähren.

Neben all den Dingen die wir über Raubvögel lernen, können wir auch einem Löwenpaar aus einer Entfernung von einem Meter in die Augen schauen und sind sehr beeindruckt von der Größe dieser prachtvollen Tiere. Und dann darf Nicole endlich einen Leoparden und drei Cheatas bewundern. Der Zaun, der das Erlebnis im Vergleich zur freien Wildbahn etwas schmälert wird ohne Frage überboten durch die faszinierende Nähe zu den Tieren.

Nach dem Verlassen der Tierstation bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Sonnenuntergang und so fahren wir das nächst liegende Camp, einen Caravanpark an. Und sind geschockt. Das übertrifft selbst die Camps im Kruger Park. Nach so vielen Monaten in Schwarzafrika sind wir so große Einrichtungen einfach überhaupt nicht gewohnt. Zum Herumsuchen bleibt jedoch nicht mehr genügend Zeit und für eine Nacht ist es ja auch völlig ok.

Am nächsten Morgen lassen wir es langsam angehen und erreichen passend zur Mittagszeit den Wegweiser am Straßenrand, der „light meals“ im „Garden Eden“ empfiehlt. Wir sind gespannt, was sich hinter einem solch großen Namen verbirgt. Und tatsächlich: Es wurde nicht zu viel versprochen. Nach 2 km Pistenzufahrt erreichen wir einen wunderschönen, üppig gedeihenden Garten, an dessen Rand sich ein stilvolles Gebäude mit toller Speisekarte und hausgemachten, frischen Gerichten anschließt. Wir genießen eine vegetarische Lasagne und sind schwer enttäuscht, dass die Zeit nicht mehr zum Latte Macchiato mit hausgemachten frischen Waffeln reicht. Aber wir wollen unseren Vorsatz des Nichtfahrens-in-der-Dunkelheit nicht brechen und so machen wir uns auf den Weg in den Blyde River Canyon, wo wir auf dem Panorama Camp einen kleinen, aber liebevoll angelegten Platz für die Nacht finden. Schade ist nur, dass das tolle Panorama am nächsten Morgen von dichtem Nebel blockiert wird. Unser eigentlicher Plan die ganzen sehenswerten Aussichtspunkte anzusteuern fällt leider ins Wasser, das in stetigen Bindfäden von oben herab fällt. Planänderung also. Wir fahren ins nahe gelegnen Pilgrims Rest, einem alten Goldgräberdorf, das, wenn man die vielen touristischen Aspekte ausblendet, seine ursprüngliche Atmosphäre gut bewahrt hat. Man fühlt sich um eineinhalb Jahrhunderte zurückversetzt und kann dennoch lecker Pfannkuchen – herzhaft und zum Nachtisch süß (diesmal haben wir genügend Zeit) – genießen.
Auf dem Rückweg geraten wir mit der Polizei aneinander.  Südafrikanische Städte sind gespickt mit Stopschildern, die auf Dauer etwas nervig sein können. So halten wir ausnahmsweise und bei gut einsichtiger Straße nicht ganz vorschriftsmäßig, um nicht ständig Hansis Bremsen strapazieren zu müssen. Doch das ist ein Fehler, so meint jedenfalls der finster dreinblickende Polizist in Zivil, der uns mit aufheulender Sirene mitten im Dorf den Weg blockiert und den umstehenden Menschen an diesem tristen Sonntag ein wenig Aufheiterung bietet. Wir haben leider nicht gezählt, wie oft er uns immer wieder in höchst aggressiver Stimmung die gleiche Frage stellte: „Why don´t you stop at the stop-sign?“ Immer und immer wieder. Nur antworten lässt er uns nicht. Nach einigen hin und her verliert der Vorstadtrambo das Interesse und wir ziehen weiter.

Am nächsten Morgen hat Petrus leider kein Einsehen mit uns und dem ersten Aussichtspunkt namens „God´s Window“: Es bietet sich uns ein Blick gegen eine weiße Wand und es ist im wahrsten Sinne des Wortes aussichtslos und da wir nicht wissen wie sich die Wetterlage in den nächsten Tagen präsentieren wird, setzen wir unsere Tour aussichtslos in Richtung Nelspruit fort. (Nebenbei bemerkt: Die Antwort der netten Inhaberin des Panorama Camps auf unsere Frage bezüglich der Wetteraussichten für die nächsten Tage lautete: Das ist schwierig zu sagen. Manchmal erleben wir an einem einzigen Tag alle vier Jahreszeiten). Da unsere Zeit leider nicht mehr unbeschränkt ist, machen wir uns also auf den Weg nach White River. Dort wollen wir uns – wie versprochen – mit dem „Missionar“ Samuel treffen, den wir in Mosambik kennen gelernt hatten. Leider gestaltet sich diese schwieriger als gedacht, da „sein Ort“ nicht wie angenommen in White River befindet, sondern ca. 20 km in Richtung Hazyview, und da er uns um einen Besuch zur Mittagszeit bittet, da dann die Essensausgabe für die Kinder stattfindet.

So ändern wir wieder unsere Richtung und verlegen den Besuch bei Beth und James, die wir ebenfalls in Mosambik begegnet waren, um einen Tag vor. Es geht also ins nahe gelegene Nelspruit, wo wir einen kurzen Stopp bei einer Shopping Mall einlegen, der uns ziemlich verwirrt. Hier gibt es alles. So etwas gibt es in Deutschland in diesen Dimensionen nicht. Wir sind schlichtweg überfordert. Also erstehen wir lediglich eine Flasche Wein und machen uns auf zu Beth und James, von denen wir wissen, dass sie auf einer Farm leben. Dass es jedoch eine der größten Farmen Südafrikas ist, wussten wir nicht. So sind wir bereits bei der Anfahrt schwer beeindruckt. Wir verbringen einen sehr angenehmen und unterhaltsamen Abend zusammen, an dem wir auch einige interessante Dinge über Südafrika erfahren. Die Zeit vergeht leider viel zu schnell. Und da wir am nächsten Morgen bereits um 10.30 Uhr wieder mit Samuel verabredet sind, lädt uns Beth noch schnell zu einer kurzen Rundfahrt über die Farm ein, auf der in erster Linie Avocados (die leckersten die wir je gegessen haben), Zuckerrohr, Lichis und Pekannüsse angebaut werden. Unter anderem auch für den Export nach Deutschland und Europa. Daneben befindet sich auf dem Farmgelände nach eine Fabrik zur Herstellung und Abfüllung von Saft, eine Fabrik zum Verpacken der Exportware, ein Reitstall mit etwa 100 Pferden und eine Schlachterei. Ein nicht unbeachtlicher Teil des Farmlandes ist in den letzen Jahren in Gewerbeflächen und Wohnanlagen umgewandelt worden, da die Stadt einen großen Wachstumsbedarf hat. Wir sind tief beeindruckt.

Um so schwerer fällt die Umstellung, als wir gegen 11 Uhr zusammen mit Samuel sein Wirkungsfeld erreichen. Wir sind etwa 50 km von der Farm entfernt und befinden uns in einer anderen Welt. Die Bebauungen sind ärmlich, es gibt kein fließendes Wasser, aber immerhin Elektrizität. Wir werden herzlich von einigen Frauen empfangen, mit denen wir uns jedoch leider nur mit Gesten verständigen können. Samuel erzählt uns von seiner Arbeit und seine Projekten. Nebenher wird Essen zubereitet und gegen 12 Uhr trudeln die ersten Kinder von der nahe gelegenen Schule ein, die hier zu essen bekommen. Für uns wurde afrikanisches Hünchen gekocht und wir sind beschämt, ein besseres Essen serviert zu bekommen, als all die anderen essen. Andererseits wäre es unhöflich, abzulehnen. Samuel hat zu Beginn dieses Jahres eine einfaches Holzhütte auf sein Grundstück gebaut, in dem vormittags die kleinsten der Kinder von seiner Frau und einer anderen Dame so gut es geht unterrichtet werden. Die meisten dieser Kinder haben keine Eltern mehr oder aber nur noch einen Elternteil. Sonntags wird die gleiche Hütte für die Messfeier benutzt. Die Kinder und einige Erwachsene aus der Nachbarschaft erhalten täglich bis auf Sonntags ein Mittagessen. Einmal im Monat werden an Familien der Umgebung Säcke mit Mailmehl, Zucker und Plätzchen verteilt – insgesamt 52.

An diesem Tag treffen zwei Welten über uns zusammen und ein wenig verwirrt von all den Eindrücken verabschieden wir uns mit ein paar Spielsachen für die Kinder bei Samuel. Es ist schwer sich vorzustellen, das man als Südafrikaner tagtäglich mit diesen Gegensätzen konfrontiert wird. Riesige Shoppingmalls und „american way of live“ auf der einen Seite. Größte Armut auf der anderen. Uns fällt es schwer dieses unter einen Hut zu bringen.

Wir fahren weiter. Wir sind in Nabomspruit mit Lodie verabredet. Wir hatten ihn in Bahir Dar am Lake Tana in Äthiopien getroffen, wo er genau wie wir auf seiner Reise Station gemacht hat – allerdings mit dem Motorrad und eben in umgekehrter Richtung: von Südafrika nach Deutschland. Um unsere Eindrücke der letzten zwei Tage vor dem Treffen mit Lodie ein wenig zu sortieren machen wir einen Tag Pause am Loskop Damm und genießen trotz der inzwischen wieder hohen Temperaturen einen geheizten Pool, in dem man wunderbar floaten und relaxen kann. Uwe nutzt die Zeit noch um Wartungsarbeiten an Hansi durchzuführen und die  Bremsen nachzustellen, denn das ist dringend erforderlich. Durch sehr schöne Landschaft und riesige Anbaugebiete von Getreide, Zitrusbäumen und Wein trudeln wir bei Lodie ein und freuen uns sehr über das Wiedersehen und den angeregten, tiefen Austausch unserer Reiseerfahrungen.

Gegen späten Nachmittag nimmt uns Lodie mit in eine Gaststätte in dem auf einer Großleinwand das Rugby-Spiel zwischen den Blue Bulls (die Favouriten) und den Cheatas live übertragen wird. Wir lernen ein bisschen über Rugby und sind uns einig – eine wirklich harte Sportart. Wir plaudern noch bis spät in die Nacht hinein und freuen uns am Morgen über das frisch gebackene Frühstücksbrot von Lodie. Da Südafrikaner gut und gerne grillen (genannt „Brai“), liefert uns Lodie den Beweis: Das beste Fleisch auf unserer ganzen Reise! Trotz der wenigen Zeit die wir miteinander verbringen – es ist fast so als kennen wir uns schon ganz lange. Wir finden heraus, dass Lodie genau zu dem Zeitpunkt, als wir im Januar Mernes verließen im nahe gelegenen Langenselbold zu Besuch war. Hätten wir gekannt bzw. geahnt, dass wir uns eines Tages in Äthiopien und dann in Südafrika treffen würden.... die Welt ist manchmal so klein.!

Gerne hätten wir noch länger bei Lodie verweilt, doch seit der Einreise nach Südafrika sitzt uns zum ersten Mal seit unserem Start im Januar ein wenig die Zeit im Nacken. Wir müssen Anfang November in Kapstadt sein, um die Formalitäten für die Verschiffung unseres Hansi´s zu erledigen. Bis dahin haben wir noch einige Besuche, viele Sehenswürdigkeiten und noch mehr Kilometer vor uns.

Daher verabschieden wir uns bis zum hoffentlich baldigen Wiedersehen in Deutschland und fahren in das nahe gelegene Warmbath (Bela-Bela) das für seine heißen Quellen bekannt ist. Hatten wir noch die Bilder vom Bad in den heißen Quellen in Tunesien und Ägypten im Kopf, so sind wir jetzt mittelmäßig enttäuscht. Es handelt sich um ein riesiges Resort, dessen Hauptbestandteil ein in die Jahre gekommenes Thermalbad im europäischen Stil ist. Da wir aber nun schon einmal da sind, testen wir es und stellen fest, dass ein fünf-minütiges Vollbad im 42 Grad heißen Rheumabecken gefolgt von einer kalten Dusche und einer Ruhepause an der frischen Luft durchaus einen Saunagang ersetzen kann. Man wird halt kreativ auf einer Reise!

Trotz des Wellnessfaktors sind wir ein wenig bedrückt, denn Lodie hat uns berichtet, wie schwer es nach der Reise für ihn war, wieder ins „normale“ Leben zurück zu finden. Wir sind beide sehr in Gedanken und nicht gerade bester Stimmung. Aber Johannesburg ruft, denn dort wollen wir Anja (die Tochter der Cousine von Nicoles Mutter!) und Kathy (haben wir ebenfalls in Mosambik kennen gelernt) treffen.

Johannesburg: Zu keiner Stadt wurde uns im voraus soviel Negatives berichtet, in Bezug auf Kriminalität. Jeder Reisende riet uns, die Stadt zu meiden, hätten wir nicht vor, Anja und auch Kathy zu besuchen, so wäre unser Interesse wahrscheinlich auch sehr gering, denn die großen Städte ziehen uns nicht mehr an, sie sind alle irgendwie gleich. So fahren wir über Pretoria nach Johannesburg, in Pretoria machen wir einen Abstecher zu dem „Vortrekker-Memorial“, ein Monument welches an die großen Trecks der Buren erinnert, zu der Zeit als Sie mit den Engländern im Unfrieden waren. Sehr beeindruckend, unschwer lässt sich aus dem Museum und seinen Inhalten der Nationalstolz erkennen den die Südafrikaner burischer Abstammung auch Heute versprühen. Wie dem auch sei: Wir fühlen uns hier am richtigen Ort, mit einer Art „Seelenverwandschaft“- denn haben auch wir nicht eine lange Reise mit ungewissen Zielen und Stationen unternommen? Natürlich kein Vergleich zu den Mühen und Hindernissen in der damaligen Zeit.
 
Bewusst steuern wir so gegen 15.00 Uhr auf einen der großen Freeways (Stadtautobahnen) gen Johannesburg, denn diese Zeit hat uns Kathy als gute Zeit genannt, was das Verkehrsaufkommen betrifft. Das war ein guter Rat, und so erreichen wir unser Ziel, den Stadtteil „Sandton“ ohne Pobleme. Wie immer navigiert Nicole ausgezeichnet, und wie so oft denken wir: Wo wären wir ohne GPS?

Kathy freut sich riesig, uns zu sehen und uns geht es ebenso. Sie weist uns gleich ein in Ihr Heim, gibt uns Hausschlüssel, zeigt uns den vollen Kühlschrank und das Gästezimmer: Die Gastfreundschaft berührt uns immer wieder sehr. Kathy geht noch mal ins Büro, und wir „beschnuppern“ Sandton. Ein besserer Stadtteil der gehobenen Mittelschicht, das zeigt sich schnell an den riesigen Shoppingmalls und den Autohäusern für Luxuskarossen, immer wieder diese krassen Gegensätze! Wir kommen zu der Einsicht, dass auch nach der Apartheid zwei Welten gleichzeitig hier leben.


Wir verbringen einen netten Abend mit Kathy und Ihrer Tochter Lindsay und fallen wie so oft hundemüde ob der vielen Eindrücke ins Bett. Auf unserer Reiseroute sind wir nicht an den Victoria- Fällen vorbei gekommen, im Hinterkopf kreist schon seit Malawi der Gedanke, von Johanneburg aus zu dem Naturschauspiel zu fliegen. So sehen wir uns am nächsten Tag in einem Reisebüro die Aussage treffen: „Guten Tag, wir möchten gerne Morgen für zwei Übernachtungen nach Livingstone zu den Vic-Falls fliegen .“ Gesagt getan, denkt sich der nette Reisebüromitarbeiter und so halten wir kurze Zeit später unsere Tickets in der Hand.



Am Abend sind wir mit Anja verabredet, doch bevor wir Sie treffen, erhalten wir noch einen Einblick in das Sicherheitsverhalten für südafrikanische Städte: Es dämmert bereits, als wir von Kathys Haus aus die ca. 5 – 10 Minuten Fußweg zu unserem Treffpunkt in Angriff nehmen wollen: „Nein, nein, um diese Zeit könnt Ihr nicht mehr zu Fuß unterwegs sein, Lindsay fährt Euch hoch.“ Für uns ist dies ebenso befremdlich wie die hohen Mauern und elektrisch geladenen Zäune, die um sämtliche Wohnanlagen gezogen sind.

Der Abend mit Anja ist sehr interessant und unterhaltsam, Sie lebt schon seit zwölf Jahren in Johannesburg und fühlt sich hier sehr wohl. Wir tauschen uns aus über das Leben in Südafrika und unserer Erlebnisse auf der Reise, so vergeht die Zeit wie im Fluge und das Bett ruft, denn Morgen geht unser Flug.

Byron, unser netter Taxifahrer bringt uns zum Flughafen und erzählt uns einiges über seine Stadt. Die Stadt wächst und wächst. Unschwer zu erkennen auch an den vielen Baustellen, futuristischen Neubauten, der zur Zeit im Bau befindlichen Bahnstrecke und nicht zuletzt an dem technisch ausgefeilten Flughafen mit seinen brandneuen Terminals. Die Fußball-WM 2010 ist ein gigantischer Motor. Der Flug erinnert uns wieder einmal an die Endlichkeit unserer Reise, denn wenn wir das nächste Mal Richtung Norden fliegen, verlassen wir diesen Kontinent. Doch die Stimmung hebt sich sehr, als wir im Landeanflug über die Victoria- Falls fliegen. Wenig Wasser, denn die Wasser Hochzeit ist April/Mai, Wasser Tiefzeit November. Aber sehr beeindruckend. In unseren Zwei Tagen Aufenthalt an den Fällen gehen wir den östlichen Teil durch den Sambesi zur Livingstone - Insel, in dieser Jahreszeit trockenen Fußes möglich, bewandern den östlichen Teil und gehen hinunter in die östliche Schlucht. Der Höhepunkt allerdings ist ein Flug mit einem „Microlight“, einem motorisiertem Flugdrachen. Der Pilot Heiko ist ebenfalls Deutscher und fliegt hier schon seit einigen Jahren Touristen im 15-Minuten-Takt über die Fälle. Von oben wird uns hier die ganze Schönheit dieses Naturwunder bewusst.

Wieder zurück in Johannesburg besuchen wir Anja in Ihrem Haus, Sie holt uns ab und wir fahren zwar nur einige Stadtteile weiter, aber auch bei dieser Fahrt bekommt man eine Ahnung wie groß die Stadt ist. Der nächste Tag ist ein Sonntag und wir verbringen noch einmal einen schönen Tag mit Kathy in der nördlichen Region, in „The cradle of the humankinds“, die Wiege der Menschheit. Hier wurde ein menschliches Skelett gefunden, dessen Alter auf ca. 3,3 mio Jahren geschätzt wird. Gesehen haben wir es nicht, dafür haben wir aber gut gegessen, was für die menschliche Rasse ja auch nicht unwichtig ist.

Wir verlassen Johannesburg, ohne im eigentlichen Zentrum gewesen zu sein, aber das ist gut so. Wir nehmen schöne Erinnerungen an nette Menschen mit, so erhält der Name dieser Stadt eine ganz andere Bedeutung als vor unserem Besuch. Wir besorgen noch Lebensmittel, verabschieden uns von dem Wachmann Terence, der den Wohnkomplex behütet in dem Kathys Haus steht, und kommen zügig voran. Die mehrspurige Nationalstrasse N3 ist in tadellosen Zustand und so brausen wir mit 80 km/h noch bis nach Harrismith, ca.300 km südöstlich von Johannesburg. Die Fahrt dort hin führt fast ausschließlich durch große Ackerflächen und Getreidefelder. Die Dimensionen lassen erkennen, dass hiesige Landwirtschaft ein Industriezweig ist, bei dem knowhow und Managementfähigkeiten unerlässlich sind. Wir finden einen Stellplatz Nahe zur Nationalstrasse, für uns optimal, denn wir möchten hier nur übernachten und dann weiter in Richtung Drakensberge ziehen.

Die letzten sechs Nächte haben wir nicht in Hansi geschlafen, für Nicole erst mal ungewohnt. Es wird erst mal „groß Reine“ gemacht, danach fühlen wir uns wieder heimisch. Nach all den anstrengenden Tagen seit Nelspruit schlafen wir uns endlich mal wieder aus und stellen fest, dass die vergangenen Aktivitäten uns ziemlich geschlaucht haben. Unser Fahrziel für Heute ist nur ca. 70 km entfernt, so lassen wir es gemütlich angehen und nehmen uns genügend Zeit, die Berglandschaften, Pässe und Aussichten auf uns wirken zu lassen. Gegen Nachmittag erreichen wir den Royal Natal Nationalpark, den nördlichen Teil der Dragensberge. Von der Schönheit der Bergkulisse sind wir beeindruckt. Wir beziehen Quatier auf dem Campsite innerhalb der Parkgrenzen und planen die nächsten Tage: Zuerst den Internetbericht „Südafrika Teil 1“ schreiben, den Tag danach wandern......