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Wir sind noch immer in Dar es Salam. Unsere Rüstung zur Weiterfahrt zieht sich doch ein wenig länger als geplant. Wir besorgen noch eine Haftpflichtversicherung für Hansi, um für alle kommenden
Polizeicheckpoints gewappnet zu sein, begeben uns auf die letztendlich erfolgreiche Suche nach Schwimmflossen, denn das Schnupperschnorcheln auf Sansibar hat uns auf den Geschmack gebracht und auch am Lake Malawi soll man schön
schnorcheln können. Und dann warten wir noch auf die Rückkehr von „habibi“ Thomas. Er musste ein paar Dinge in Matema, seinem zukünftigen Campsite am Lake Nyasa, erledigen und wir wollen Dar es Salam nicht verlassen, ohne uns
gebührend von ihm zu verabschieden. Schwer fällt er, der Abschied. Sowohl von Thomas als auch von Dar es Salam, wo wir uns inzwischen fast heimisch fühlen.
Doch dann ist es so weit. Wir sind „back on the road“. Ein
komisches Gefühl nach so langer Reisepause. Wir meistern den Stadtverkehr von Dar es Salam innerhalb von zwei Stunden und erreichen Chalinze, einen Kontenpunkt zweier Hauptverkehrsachsen. An der belebten Straße reihen sich
kleine Geschäftchen und Restaurants aneinander, in denen sich die vielen Transitfahrer versorgen und verköstigen. Wir suchen uns ein nettes 3-Tisch-Restaurant und entscheiden uns nach einem Blick in die Kochtöpfe für Ugali
(eines der tansanischen Hauptnahrungsmittel aus Maismehl, in der Konsistenz ähnlich unserem Kartoffelbrei) mit Bohnen und Fleischsause – auf das Fleisch verzichten wir. Gut gestärkt geht es in süd-westlicher Richtung weiter.
Die Landschaft ist wunderschön und als die Hauptstraße eintrittsfrei den Mikumi National Park durchquert, sehen wir im schönen Licht der Nachmittagssonne zahlreiche Elefanten, Giraffen, Zebras, Impallas, einen Büffel und jede
Menge Affen. Da wir gut voran kommen fahren wir noch bis zum Spätnachmittag. Die Landschaft wird bergig, am Straßenrand erstehen wir einen frisch gerösteten Maiskolben und genießen den Blick in die Landschaft, in der sich das
nahende Baobab-Valley mit immer dichterem Bewuchs der Baumriesen ankündigt. Wir erreichen das Baobab-Camp und belohnen uns für den anstrengenden Fahrtag mit einem kühlen Bier auf der Terrasse, direkt überhalb des Ruaha-Rivers.
Die nächste Tagesetappe bringt uns zum River-Side-Camp, ein paar Kilometer vor Iringa. Auf der Fahrt kaufen wir Brot und etwas Gemüse. Die Straßenstände sind so unglaublich praktisch! Man erfasst das Angebot im Fahren, hält am Straßenrand und kauft, was man benötigt. Neben dem Angebot in den
Dörfern ist die gesamte Strecke des heutigen Tages übersät von Zwiebelständen. Einer nach dem anderen, kilometerlang. Die vielen bunten Eimer, in denen die Ernte präsentiert wird, geben ein heiteres Bild ab. |
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Tags drauf statten wir Iringa eine Stippvisite ab. Die Stadt macht einen sehr angenehmen Eindruck, wir wollen aber die etwa 100 km Piste bis zum Ruaha Nationalpark möglichst früh in Angriff
nehmen. Wir erreichen das Gate nach 3 Stunden Ruckelpiste und dann die böse Überraschung. Der Eintritt für uns ist ok. Autos mit ausländischem Kennzeichen allerdings sind unglaublich teuer, vor allem, wenn sie so schwer sind
wie unser Hansi. Während wir über Alternativen rätseln, kommen ein italienisches Pärchen mit einem Engländer und einem Ranger ins Office. Sie hören von unserer Situation und bieten an, uns mit in den Park zu nehmen. Da unser
Hansi jedoch nicht am Gate stehen bleiben darf und wir auch keine Unterkunft gebucht haben hat sich dieses nette Angebot schnell erledigt. Wir erfahren aber, was die drei für ihre Tour gezahlt haben und können so noch einmal
nachdenken. Nach dem Mittagessen entscheiden wir uns, mit Hansi in den Park zu fahren. Unterm Strich ist der Eintritt nur unwesentlich teurer, als wenn wir eine organisierte Tour buchen würden. Schnell ist der Trubel vergessen, die Parklandschaft ist herrlich
und endlich kann Nicole ihre bisher vermissten Hippos bewundern. Wir genießen die Fahrt entlang des Ruaha-Rivers, der dem Park eine ganz eigene Atmosphäre verleiht. Die beiden verfügbaren Camps liegen
direkt am Flussufer und wir erfreuen uns an der schönen Abendstimmung inmitten herrlicher Natur und entzünden seit langem mal wieder ein Lagerfeuer. Nachts hören wir die unverwechselbaren Rufe der Hippos
und auch einige Löwen mischen mit. Die Geräuschkulisse ist eigentlich viel zu schade um zu schlafen.
Als wir im Morgengrauen einen Blick aus dem Fenster werfen, grast in etwa 80 m Entfernung ein
dickes Hippo. Der Sonnenaufgang scheint zunächst wenig herzugeben bis sich wenige Minuten später die blutrote Scheibe hinter den Wolken hervor schiebt. Nach kurzem Frühstück begeben wir uns auf
Pirschfahrt. Die Landschaft des Parks ist sehr abwechslungsreich, allerdings können wir neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Elefanten, Giraffen und Zebras leider keine Raubtiere ausmachen. Nach
exakt 24 Stunden verlassen wir etwas wehmütig den Park und fahren noch ein paar Kilometer bis zum Chogela-Camp. Dort lernen wir das sehr sympathische holländische Pärchen Anita und René kennen,
die uns kurzerhand für den nächsten Tag in den Park einladen. Sie haben ein Mietauto mit tansanischem Kennzeichen und so ist die Gebühr für das Auto kaum der Rede wert. Wir freuen uns
sehr über dieses tolle Angebot und starten am nächsten Morgen um 5.30 Uhr Richtung Park, wo wir pünktlich zur Gateöffnung um 6 Uhr eintreffen.
Anita und René hatten am Vorabend auf dem Weg zum Parkausgang ein
tolles Erlebnis. Sie konnten zwei Chitas (Geparden), die gerade eine Antilope gerissen hatten, aus nächster Nähe beim Zerlegen der Beute beobachten. So machen wir uns auf den Weg zu eben dieser Stelle,
denn auch wir wollen die Chitas sehen. Leider sind sie nicht mehr ausfindig zu machen und so setzen wir unsere Pirschfahrt mit der Suche nach Löwen fort. Und wir haben Glück! Wir entdecken eine Löwin. Bei
dem Versuch dichter an sie heran zu fahren entdecken wir noch eine zweite Löwin und dann das ganze Rudel: 3 Löwinnen mit insgesamt 6 Jungen und das ganze aus
nächster Nähe! Ein unglaubliches Erlebnis. Die Kleinen spielen herum wie Katzenbabys und am liebsten würde man aussteigen um sie zu streicheln. Aber die Löwinnen hätten hierfür vermutlich wenig
Verständnis. Wir können uns nur schwer losreißen, wollen aber noch einmal einen Versuch mit den Chitas starten, der allerdings erfolglos bleibt. Als wir ein paar Stunden später noch einmal zu der Stelle
an der wir die Löwen entdeckt hatten zurück kehren, ist auch von ihnen keine Spur mehr zu sehen. Das faszinierende Erlebnis feiern nach einem Nachmittagsschläfchen mit einem leckeren Abendessen im
Camp. Später kommen auch Birgit und Dirk hinzu, ein deutsches Paar unterwegs in einem Magirus-Lkw, die wir bereits in Dar es Salam am Strand kennen gelernt hatten. Anita und René: Vielen Dank
noch einmal an Euch für diesen unvergesslichen Tag!
Es geht zurück nach Iringa. Hinten im Hansi sitzen drei Jungs aus Italien, die in den Park getrampt waren und nun eine Rückfahrtgelegenheit in die Stadt suchen. Wir sehen
uns Iringa nun doch noch einmal genauer an und sind sehr angetan. Das Angebot ist groß, die Menschen sehr freundlich und die Atmosphäre sehr beschaulich. Es folgt noch eine Fahretappe von etwa eineinhalb Stunden
und wir erreichen den Campsite des „Old Farm House“. Der Platz ist für eine Nacht durchaus empfehlenswert, aber irgendetwas fehlt einfach, vermutlich das alte Farmhaus, das sich trotz ausgiebiger Suche einfach nicht finden läst.
Nächstes Ziel ist Mbeya. Dort lassen wir an einer Tankstelle mal wieder das Öl und den Kraftstofffilter wechseln und alle erforderlichen Stellen abschmieren. Dann ist der Tag auch schon wieder um. Wir
kommen beim Karibuni-Center unter, einer Einrichtung einer Schweizer Mission. Der geplante Erledingungstag in der Stadt ist wenig erfolgreich. Wir heben zwar Geld ab und werden unsere
Postkarten auf der Post los aber die vorgesehene Internetsession ist ein Albtraum. Zunächst heißt es warten warten und warten, denn in den Internetcafés herrscht reger Andrang. Dann, einen Platz
ergattert, baut sich die Verbindung nur sehr zögerlich auf. Diverse Male geht gar nichts mehr und das Fazit zweier mehr oder weniger online verbrachter Stunden ist wenig zufrieden stellend. Nach einer
kurzen Stärkung versuchen wir es noch einmal. Diesmal müssen wir zwar nicht warten, dafür bricht die Verbindung nach einer halben Stunde gänzlich ab und es ist unklar, ob sich das heute noch einmal
ändern wird. Alles gar nicht so einfach.
Wir fahren etwa 20 km aus Mbeya hinaus, um die Campingmöglichkeit am Country Resort der
Utengule Kaffefarm in Anspruch zu nehmen. Wenn wir schon tagtäglich den frischen afrikanischen Kaffee genießen, wollen wir doch auch wissen, wie er produziert wird. Irgendwie sagt uns die Farm
jedoch wenig zu und wir kehren kurz vor Dunkelheit zurück zum Karibuni-Center. Dennoch war die Fahrt aufschlussreich: Unsere erst in Nairobi neu belegten Bremsen halten nicht ganz, was wir erhofft
hatten. Sie werden viel zu schnell heiß und die Belege scheinen eher schlechterer Qualität zu sein. Schade.
Nach geruhsamer Nacht verlassen wir Mbeya in südlicher Richtung. Wir sind fasziniert von der
fruchtbaren Gegend, die in allen nur möglichen Grüntönen schimmert und wechselnd Bananen-, Kartoffel- und Teeplantagen präsentiert. Als wir die Hauptstraße kurz vor der malawischen Grenze in
Richtung Matema verlassen kommen noch große Reisfelder hinzu. Nach einigen Kilometern steht ein mit vielen Menschen beladener Pickup auf der Straße. Das Benzin ist ausgegangen, wir haben jedoch
nur Diesel. So kommt unser Abschleppseil zum Einsatz und den Blicken der am Straßenrand gehenden Menschen nach zu urteilen geben wir ein lustiges Gespann ab. In Ipinda hat der Pickup sein
Ziel erreicht und während wir noch mit dem Verstauen des Abschleppseils beschäftigt sind entdecken uns Alex und Monica, das italienische Pärchen vom Ruaha Nationalpark, das uns zunächst hatte
mitnehmen wollen. So klein ist Tansania. Mitten im Nirgendwo trifft man sich wieder. Wir bieten an, sie und ihren tansanischen Freund, sowie einen weiteren Einheimischen mit nach Matema zu nehmen. So
werden schnell die Sachen verladen und los geht’s. Vermutlich hätten sie jedoch besser den Pickup genommen, denn nach nur wenigen Kilometern stecken wir fest. Bis zur Achse. Mal wieder. Die Straße wird zur Zeit neu geschoben und nach starken Regenfällen vor
zwei Tagen hält die noch wenig tragfähige Erdpiste unserem Hansi nicht stand – zumal sowohl unser 600 l Diesel- als auch der 200 l Wassertank randvoll sind und noch vier zusätzliche Personen samt Gepäck mit an
Bord sind. Schnell sind wir umringt vom halben Dorf und jeder weiß alles besser. Einzig tröstlich ist, dass in nur 10 Meter Entfernung eine Gräter zur Straßenbegradigung abgestellt ist. Wir starten zwei Freifahrversuche
aus eigener Kraft, dann bietet der Fahrer der Baumaschine, der glücklicher Weise auch über den Schlüssel verfügt, seine Hilfe an. Innerhalb weniger Minuten hat Hansi
wieder feste Straße unter den Rädern. Puh - noch mal gut gegangen.
Die restlichen Kilometer bis nach Matema verlaufen störungsfrei. Wir kommen im Matema Lake Shore
Resort unter, einem schönen Plätzchen, auf dem uns Josef, ein Freund von Thomas, bereits erwartet. Am nächsten Tag besichtigen wir den zukünftigen Campsite von Thomas, der eigentliche Grund für
unseren Abstecher nach Matema. Ebenfalls ein sehr schönes Fleckchen – wir sind gespannt, was darauf bis zu unserem nächsten Besuch entstanden ist. Wir verbringen zwei weitere Tage am See,
schreiben an unserem Internetbericht, besuchen den Töpfermarkt im nächsten Ort, treffen uns noch einmal mit Alex und Monica und erhalten eine Einladung von Josef zum Abendessen, die wir gerne
annehmen. Dann wird es Zeit zum Aufbruch – Malawi wartet.
Unsere Eindrücke zu Tansania: Zu Tansania hatten wir uns viel mehr vorgenommen, als wir Schlussendlich gesehen hatten. Wir folgten
der Küste bis Dar es Salam, um im Anschluss an unsere Pause das Land von Ost nach Südwest zu durchqueren. Die touristischen „Höhepunkte“ wie Serengeti, Ngorongoro-Krater und Kilimanjaro
haben wir nicht gesehen. Trotz dem oder vielleicht auch gerade deshalb haben wir uns in diesem Land wohl gefühlt. Dar es Salam war für uns ein Ort zum Verweilen, ungeplant und gerade deshalb schön. Im Land, an
der Küste und auf Sansibar sind die Zeichen der Historie, der Kolonialzeit, Zeit des Sklavenhandels und auch der Zeit der großen Entdecker wie Livingstone zu spüren. Kenia und Tansania empfanden
wir als ähnlich. Überrascht hat uns die Fruchtbarkeit des Landes im Westen und Südwesten, ebenso die Vielfalt der angebauten landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Durch den Kontakt zu Thomas werden
wir wahrscheinlich nicht das letzte Mal in Tansania gewesen sein. |