Kenia Teil 1: 05.05.2008 – 18.05.2008

Nachdem wir die Grenze zu Kenia so schnell und unkompliziert passiert haben, richten wir uns nach einem sehr herzlichen Empfang auf dem Gelände des Wildlife-Sanctuary in Moyale für die Nacht ein. Da wir für Kenia bereits über eine Telefonkarte verfügen und auch Empfang haben können wir nun endlich wieder telefonieren und rufen sogleich Nicoles Eltern an, um uns über das Empfinden von Nicoles Oma zu erkundigen. Wir erfahren, dass sie seit unserem letzten Anruf verstorben und sogar bereits beerdigt ist. Wir sind unglaublich traurig über diese Mitteilung und brauchen ein paar Tage, um diese Nachricht zu verdauen.

Am nächsten Morgen treffen wir uns wie vereinbart um 7 Uhr mit Helmut und seinem rollenden Hotel. An der Polizeisperre am Ortsausgang organisiert Helmut sich zur Sicherheit noch 2 Militärs, die in seinem Bus mitfahren. Die vor uns liegende Strecke gilt als eine der unsichersten in Kenia, da es hier in der Vergangenheit bereits mehrfach Überfälle gegeben hat. Aber in letzter Zeit ist es ruhig gewesen. Und so bahnt sich unser Mini-Konvoi den Weg über die angeblich schlechteste Piste in ganz Ost-Afrika. Und in der Tat, die Piste ist schlecht und wir sind sehr sehr dankbar, dass es nicht geregnet hat, ansonsten würde es wohl in eine Schlammschlacht ausarten . Helmut mit seiner langjährigen Erfahrung zuckelt mit durchschnittlichen 23 km/h über die Piste.

Wir bleiben geduldig hinter ihm und unser Hansi dankt es uns sicherlich. Nach 252 km, 10:58 Stunden Fahrzeit und ganzen 7 Minuten Pause erreichen wir gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang den Campsite von Henry in Marsabit und sind ziemlich erschöpft. Henry selbst treffen wir nicht an. Der Schweizer Bauunternehmer ist gerade wegen eines Kirchenbauprojekts unterwegs, so erklärt uns sein Sohn, der uns zusammen mit seiner Mutter mit kaltem Bier, Eiern und backfrischem Brot sowie leckeren Muffins aus der hauseigenen Bäckerei versorgt. So ist der Abend gerettet und wir unterhalten uns bei einer Portion Spiegeleiern auf Brot mit Helmut und seinem äthiopischen Begleiter Messfin.

Zum zweiten Teil der Piste starten wir erneut um 7 Uhr. Helmut in seiner stoischen Ruhe setzt seine gemächliche Fahrt vom Vortag fort. Wir zuckeln hinter ihm her, sind allerdings deutlich weniger gelassen. Natürlich wissen wir, dass ein schnelleres Tempo Hansi eindeutig mehr strapazieren würde und so üben wir uns bis zum frühen Nachmittag in Geduld. Dann sind unsere Nerven am Ende und wir setzen die Fahrt in schnellerem Tempo fort. So steigern wir den Schnitt bis zur Ankunft in Archer´s Post auf stolze 23,7 km/h und erreichen nach 9:25 Stunden zuzüglich einer Pinkelpause den wunderschön gelegenen lokalen Campsite – etwa 2 Stunden vor Helmut. Puh! Geschafft! Wir sind völlig erledigt, freuen uns aber, diese Piste ohne weiter Vorfälle und ohne Platten hinter uns gebracht zu haben.

Wir verbringen noch einen schönen Abend in Gesellschaft und entschließen uns, einen Ruhetag einzulegen. Das Camp liegt direkt am Ewaso River, das gegenüber liegende Ufer gehört bereits zum Buffalo Springs National Park. Ein schönes Fleckchen Erde. Abends essen wir gemeinsam mit einer jungen kanadischen Journalistin, die für das Benetton-Maganzin Colours arbeitet und für eine Woche die Frauen im neben dem Camp liegenden Samburu Cultural Village begleiten möchte. Als wir verlauten lassen, das wir das Village am nächsten Morgen ebenfalls besuchen wollen bittet sie uns, Fotos von unserem Besuch machen zu dürfen, wogegen wir nichts einzuwenden haben. So verabreden wir uns für den kommenden Morgen und schlafen mit einem kleinem Vorgeschmack, dem wunderschönen Gesang der Frauen, der aus ihrem Dorf zu uns herüber klingt, ein.

Als wir am Morgen vor dem aus nur wenigen Hütten bestehenden Village parken, empfängt uns eine kleine Frauengruppe, gekleidet in traditionelle Gewänder und bunten Perlenschmuck. Wir werden mit einem Tanz begrüßt, der von dem schönen Gesang begleitet wird, den wir bereits am Vorabend gehört hatten. Zunächst fühlen wir uns etwas befremdlich und irgendwie Fehl am Platze, doch als uns Rebecca, die Sprecherin der etwa 30 dort lebenden Frauen erklärt, wie es zur Gründung dieser Einrichtung kam, sind wir froh, die Frauen ein wenig unterstützen zu können. Die in der Region lebenden Menschen gehören dem Volksstamm der Samburu an, einem stolzen Kriegervolk, in dem die Frauen so gut wie keine Rechte besitzen. Sie erhalten keine Schulbildung und werden als Eigentum der Männer angesehen, die zum Teil mehrer Frauen haben. So ist ihr Leben häufig von Schlägen und Erniedrigung geprägt und vor etwa 30 Jahren hat Rebecca zusammen mit 13 anderen Frauen dieses Village ins Leben gerufen. Hier dürfen nur Frauen mit ihren Kindern leben und es kann als eine Art Zufluchtsort für Frauen in Not bezeichnet werden.

Die Geschichten die wir von Rebecca hören sind haarsträubend. So werden die Frauen häufig von ihren Männern geschlagen und traditionell ist es sogar so, dass die Männer das Recht besitzen, ihre Frauen umzubringen. So berichtet uns Rebecca von einer Frau, die vor etwa 2 Monaten mit ihrem Baby in das Village kam, da ihr Mann sie wieder und wieder geschlagen hatte. Noch am gleichen Tag kam ihr Mann, um sich zu entschuldigen und um zu versichern, dass er ihr nie wieder Leid zufügen würde. Die Frau glaubte ihrem Mann und entschied sich, wieder mit ihm nach Hause zu gehen. Doch dort kam sie nie an. Auf dem Weg nahm der Mann sein Messer und schnitt der Frau und ihrem Baby die Kehle durch. Wir sind sehr betroffen und berührt und gleichzeitig zutiefst beeindruckt, mit welcher Kraft die Frauen hier für ihre Rechte einstehen. Anfänglich war das Village für die Frauen kein sehr sicherer Ort, da die Männer sich gedemütigt sahen und immer wieder Übergriffe ausübten. Aber nun ist die erste Generation Kindern herangewachsen und die ersten Söhne sind Krieger geworden und bieten ihren Müttern damit eine gewisse Art von Schutz.

Die Frauen haben ihrem Village eine Schule angeschlossen, in die wir ebenfalls einen kurzen Blick werfen durften. In ihr werden 150 Jungen und Mädchen aus der Umgebung in zwei Klassen unterrichtet, bis sie alt genug für die weiterführenden Schulen sind. So besteht die Hoffnung, in der nächsten oder übernächsten Generation eine besser Stellung der Frauen zu erzielen. Dabei geht es den Dorfbewohnerinnen nicht um die Abschaffung sämtlicher traditioneller Werte, sondern um die Rechte der Frau. Nach etwa einer Stunde werden wir mit Gesang verabschiedet und machen uns sehr bewegt auf den Weg zum Samburu National Park.

Dort haben wir Glück, denn nach einer kurzen Diskussion lassen sich die Ranger davon überzeugen, dass unser Hansi kein „big car“ ist und lassen uns als normalen Pkw in den Park einfahren. Bereits nach den ersten zwei Kilometern eröffnet sich uns eine weite Steppenlandschaft, in der wir neben ein paar Warzenschweinen ein paar entfernte Zebras und Giraffen sichten. Zum Greifen nah sind hingegen die zahlreichen Elfenanten. Es sind mehrere hundert, die uns in größeren Herden immer wieder über den Weg laufen. Wir haben Glück, denn die Elefanten wandern das Jahr über durch verschiedene Schutzgebiete und müssen erst vor kurzem wieder hier eingetroffen sein. Der NP wird uns als Park der Elefanten in Erinnerung bleiben. Wir übernachten auf einem Public Campsite im Park der sehr idyllisch am Flusslauf gelegen ist. Kurz vor Sonnenuntergang besucht uns auf der gegenüberliegenden Flussseite ein Elefant. Nach einer ruhigen Nacht inmitten unberührter Natur begrüßen uns mit dem Sonnenaufgang zwei Giraffen auf der gegenüberliegenden Flussseite. Das können uns selbst die Affen nicht vermiesen, als sie unser Frühstücksidyll zu stören versuchen. Wir haben die Dachluke geöffnet, aber mit Fliegengitter geschützt. Als ein Baboon (Pavian) auf unserem Dach herumturnt, will Uwe das Fenster vorsichtshalber schließen. Als er die Tür zur Wohnkabine öffnet, ist es jedoch schon zu spät. Der Affe ist durch das Fliegengitter getaucht, hat zielgerichtet die Brottüte sowie die Muffins aus dem Regal gegriffen und ist glücklicher Weise direkt wieder von dannen gezogen. Derweil hat sich in Sekundenbruchteilen ein anderer Affe unserer Frühstücksbrote bedient. 1:0 für die Affen.

Nach einem geglückten zweiten Frühstück überqueren wir eine kleine Brücke, die die Grenze zwischen dem Samburu NP und dem Buffalo Springs NP bildet. Wir treffen erneut auf zahlreiche Elefanten und diesmal auch auf eine Herde von 19 Netzgiraffen, die eine sehr schöne Musterung aufweisen. Zum Abschied sehen wir noch zwei Straußen, nur die dem Park Namensgebenden Büffel können wir nirgends entdecken. Wir verlassen den Park in Richtung Isolio, wo wir unsere Vorräte aufstocken und uns für zwei Tag auf dem Parkplatz der Gaddisa Lodge häuslich einrichten. Diese wird von Pieter und Rita, einem holländischen Ehepaar geführt, die sich für lokale Projekte stark machen. Wir verbringen einen Tag auf der herrlichen Terrasse, der mit dem Schreiben des Äthiopien 2 Berichtes leider viel zu schnell vergeht.

An dieser Stelle eine kleine Anmerkung an all unsere treuen Leser: Wir freuen uns jedes Mal sehr, wenn Stephan uns eine aktuelle Monatsstatistik mit den Zugriffsdaten auf www.karifa.de zukommen lässt. Es sind so viele Menschen, die an unserer Reise Anteil nehmen. Und ebenso sehr freuen wir uns über jeden neuen Gästebucheintrag, denn so wie Ihr uns auf unserer Reise begleitet, freuen auch wir uns, den Kontakt zu Euch und in die Heimat nicht zu verlieren. Daher die Bitte an alle: Lasst doch ruhig häufiger etwas von Euch hören, damit auch wir wissen, wie es Euch in Deutschland geht! Freunde und Familie berichten uns immer wieder, dass sie die webadresse weitergeben und wir freuen uns auch sehr über Einträge von all den unbekannten Lesern, damit wir wissen, wer uns so alles begleitet! Da für uns die Möglichkeiten der Internetnutzung hier sehr begrenzt sind, beantworten wir e-mails sehr spät, wenn überhaupt. Das heißt aber nicht, das wir uns nicht über die Nachrichten aus der Heimat freuen, ganz besonders freuen wir uns über Gästebucheinträge. Vielen Dank dafür!

Weiter geht es mit dem Mount Kenia, der mit seinen stolzen 5199 m der höchste Berg Kenias und nach dem Kilimanjaro der zweit höchste Berg Afrikas ist. Nach einer Empfehlung ändern wir unseren ursprünglichen Plan und steigen statt über die Naro Maro Route über die Sirimon Rout auf. Wir entscheiden uns gegen Guide und Träger, da hier die Möglichkeit besteht, sich allein auf den Weg zu machen. Und so schultern wir unsere mit Isomatten, Schlafsäcken, Zelt, Kleidung, Kocher und Lebensmitteln prall gefüllten Rucksäcke. Für Nicole ist es die erste Tour mit eigenem Gepäck und so fangen wir langsam an. Die erste Etappe vom Gate des NP bis zum Old Moses Camp beträgt 9,59 km bei einem Höhenunterschied von 702 m, die wir in 2:45 Stunden reiner Gehzeit bewältigen. Eigentlich hatten wir diese Etappe noch mit Hansi zurücklegen wollen. Da die Piste nach einem kurzen Regenschauer jedoch wie von Schmierseife überzogen war, gab es kein vorankommen. Aber immerhin haben wir so bereits dreimal den Äquator überquert: Hin- und Rückweg mit Hansi und einmal zu Fuß. Nach einer ruhigen Nacht starten wir am folgenden Tag um 7.20 Uhr zur zweiten Etappe. Nach insgesamt 8:24 Stunden, davon 5:05 Stunden anstrengende Gehzeit, in der wir 1029 Höhenmeter zurücklegen, erreichen wir gegen 16 Uhr das Shipton´s Camp. Zur Begrüßung meint der Campkeeper namens Jeffrey, wir wären ziemlich langsam gewesen. Sehr motivierend. Wir befinden uns nun auf einer stolzen Höhe von 4219 m und der Ausblick ist grandios. Die dünne Höhenluft allerdings setzt insbesondere Uwe sehr zu. Wir sind ziemlich erschlagen und nach einer heißen Suppe kriechen wir bereits um 19 Uhr in die Schlafsäcke.

Jeffrey hatte uns empfohlen um 3 Uhr in der Nacht aufzubrechen, um zum Sonnenaufgang am Point Lenana zu sein, der mit seinen 4985 m den höchsten begehbaren Punkt des Mount Kenia darstellt. Es geht zwar noch höher, allerdings nur für Bergsteiger. Also klingelt um 2 Uhr der Wecker und wir verlassen unser warmes Nest bei einer Außentemperatur von 4,1 Grad. Diesmal haben wir weniger Gepäck, da wir nach der Gipfelbesteigung wieder zum Camp zurückkehren wollen. Dank GPS und einer Taschenlampe finden wir den Weg in der Dunkelheit mehr oder weniger gut und kraxeln über wenig Halt bietende Geröllfelder in die Höhe. Irgendwann hat das GPS dann einen Aussetzer und wir finden den Weg nicht mehr. Da Jeffrey am Vorabend sagte: „Ihr geht einfach den Hang da vorne hoch, dann wieder runter und wieder hoch,“ beginnen wir mit dem Abstieg, der ein wirklich heftiger Abstieg ist. Gut, dass wir in der Dunkelheit nicht sehen, wohin wir da herabsteigen. Nicole hat kein gutes Gefühl und befragt immer wieder das GPS, das uns in einer gnädigen Minute mitteilt, dass wir auf dem falschen Weg sind. Also geht es wieder hinauf. Wir sind etwas gefrustet. Es ist sehr kalt und noch immer stockdunkel und wir sind bereits seit guten zweieinhalb Stunden unterwegs. Die Wahrscheinlichkeit den Point Lenana noch bis Sonnenaufgang  zu erreichen ist gering. Nicole weigert sich aber, den Rückweg zum Zelt anzutreten, da ihr der Abstieg in einem Geröllfeld bei Dunkelheit zu riskant ist. Also machen wir uns auf die Suche nach dem richtigen Weg, den wir schließlich auch finden. Nach einer Weile setzt dann endlich die Dämmerung ein und wir können die Taschenlampe ausschalten. Auch wenn wir uns noch inmitten des Aufstiegs befinden ist der Sonnenaufgang ein beeindruckendes Erlebnis.

Wir klettern weiter in die Höhe, pausieren, kraxeln weiter, pausieren ... und irgendwann erreichen wir den ersten Peak. Wir sind erschlagen und sehen erst mit dem jetzigen Tageslicht, was wir da in der Dunkelheit an Strecke und Höhe zurückgelegt haben. Wir sind auf immerhin 4757 m angelangt und haben einen herrlichen Ausblick. Es weht ein eiskalter Wind und Uwe fühlt sich ob der Höhe nicht sonderlich gut. So entschließen wir uns, es bei dieser Aussicht zu belassen, und auf den wohl noch zwei bis drei Gehstunden entfernten Point Lenana zu verzichten – schweren Herzens.
Wir genießen noch einen kurzen eisigen Ausblick und machen uns an den Abstieg. Kaum zu glauben, was wir da in der Dunkelheit erklommen haben. Nicole ist sich sicher: Hätte sie das im Hellen gesehen, wäre sie nie da hoch gekraxelt. So hatte die Dunkelheit auch was Gutes – man merkt zwar dass es ziemlich berghoch geht, hat aber wenig Gefühl für das Steigungsverhältnis. Nach 4 km, 2:32 Gehzeit (stellenweise haben wir uns wohl so langsam fortbewegt, dass das GPS nicht mehr mitgezählt hat, es waren wohl etwas mehr als 4 Stunden) und insgesamt 6:05 Stunden erreichen wir wieder das Zelt, in dem wir uns nach einer Portion leckerem Outdoorfood erst einmal erholen. Es ist halt nicht einfach irgendein Berg, sondern der zweithöchste Berg Afrikas!

Wir genießen den Nachmittag inmitten der herrlichen Berglandschaft und der absolut unberührten Natur und freuen uns einfach, hier zu sein. Nach der dritten Nacht im Zelt treten wir den Rückweg an. Vor uns liegen 23 km und eine Höhendifferenz von 2657 m. Wir kommen recht gut voran, die Wege sind allerdings steinig und es geht fast stetig bergab. Das ist zwar weniger anstrengend, geht aber mehr auf die Gelenke und Muskeln. Als wir nach 8:42 Stunden, davon 6:12 Stunden in Bewegung, das Gate erreichen meint der uns begrüßende Rancher: „Was, Ihr kommt vom Shipton´s Camp? Das ist doch viel zu weit für einen Tag.“ Wie auch immer, wir haben es geschafft und machen uns erst einmal eine extra große Portion Milchreis, die wir mit riesigem Appetit verspeisen.

Als wir das Gate des NP verlassen sehen wir zur Belohnung für all die Mühen noch einige Zebras direkt an der Straße. Was dann folgt ist allerdings weniger schön: Wir fahren die holperige Piste zurück in Richtung Straße und plötzlich ratscht etwas am Hansi entlang. Uwe springt aus dem Führerhaus und begutachtet die Situation. Wir haben ein Stützseil eines Strommasts gestreift und erst auf den zweiten Blick sehen wir, dass zwei der drei Stromleitungen aus der Befestigung gerutscht sind und nun ein gutes Stück tiefer hängen. Ein am Straßenrand stehendes Paar erklärt Uwe, wir hätten das kaputt gemacht, also müssten wir es auch wieder herrichten. Uwe erklärt, dass wir den Vorfall dem Town-Chief melden und damit geben sie sich zufrieden. So was blödes. Wir sind beide völlig erledigt von den Strapazen der Trekkingtour und nun das. Wir sind einfach zu k.o. um irgendetwas zu unternehmen. So setzen wir unsere Fahrt wie geplant in den nächsten Ort fort, wo wir am Sportsman´s Arms Hotel einen Stellplatz bekommen und die hoteleigene Sauna (!) benutzen können. Nicole kann jedoch wenig entspannen, da ihr das Stromkabel im Nacken hängt. Was sollen wir machen und vor allem an wen sollen wir uns wenden? Und dann ereignen sich manchmal Dinge auf ganz eigenartige Weise. In der Sauna treffen wir auf zwei Kenianer, die uns in ein Gespräch verwickeln. Irgendwann ergibt es sich, dass Uwe von unserem Problem berichtet und fragt, was wir ihrer Meinung nach tun sollten. Wie aus einem Mund erklären uns die zwei, dass wir keinesfalls zur Polizei gehen sollen, denn dort würden wir mit Sicherheit eine ganze Woche mit Papierkram verschwenden und man würde uns viel zu viel Geld abnehmen. Denn zum einen seien wir Weiße und damit in den Augen der meisten Schwarzen sehr reich und zum anderen herrsche in Kenia das Problem der Korruption. Wie wir im vorherigen Gespräch bereits erfahren haben, ist einer der beiden Elektriker und er bietet sich sofort an, die Stromleitung am nächsten Tag zu begutachten und alles wieder in Ordnung zu bringen. Er bittet lediglich um das Benzingeld für die etwa 80 km. Nach ein paar weiteren Gesprächen willigen wir dankend ein und geben noch ein ordentliches Trinkgeld dazu, in der Hoffnung den beiden vertrauen zu können. Sie reden uns noch einmal ins Gewissen, mit niemandem mehr darüber zu sprechen, sondern einfach unsere „Safari“ fortzusetzen. Sie kümmern sich um alles. Und tatsächlich: Als wir sie am nächsten Mittag anrufen befinden sie sich bereits auf dem Rückweg und erklären, die beiden Stromkabel seien wieder dort wo sie hingehören. Es sei noch ein weiteres Teil kaputt gewesen, aber das hätte er von seiner Firma genommen und nun sei alles in Ordnung. Daraufhin setzten wir unsere Fahrt nach Naro Moru fort, wo wir einen recht ordentlichen Supermarkt mit Scannerkasse !!! vorfinden und uns mal wieder mit allem notwendigen eindecken. Dann geht es zu einem recht skurrilen Campsite, wo wir uns für zwei Tage niederlassen und neben dem riesigen Wäscheberg auch die ersten Seiten des neuen Internetberichts bearbeiten. Unsere weiteren Pläne sehen vor, über Nakuru in die Massai Mara zu fahren. Danach werden wir Nairobi ansteuern.....